Donaufestival 2021 bietet Performance, Musik und Kunst

Es ist alles ein bisschen anders heuer: Das Kremser donaufestival musste coronabedingt nicht nur vom Frühjahr in den Herbst verschoben werden, sondern hat diesmal auch auf ein übergeordnetes Motto verzichtet. Die Zeile "In The Year Of The Metal Ox" sei eher als Leitmotiv zu verstehen, das einen spielerischen Umgang ermöglicht, so Festivalleiter Thomas Edlinger. Nichtsdestotrotz gibt es an den ersten beiden Oktoberwochenenden vieles zu erleben. Eine Übersicht:

APA / NÖN.at Erstellt am 21. September 2021 | 05:00
Die künstlerische Leitung des Festivals liegt bei Thomas Edlinger
Die künstlerische Leitung des Festivals liegt bei Thomas Edlinger
Foto: APA

PERFORMANCE

Die Überlagerung von Mensch und Technik spielt mehrfach eine Rolle im Performanceprogramm. So verknüpft etwa das Duo Marco Donnarumma und Margherita Pevere in "Eingeweide" (ab 8. Oktober) die eigenen Körper mit Überresten von Computern und verwandelt sich dabei in ein pulsierendes, an so manchen Horrorfilm erinnerndes Geschöpf. Das ungarische Kollektiv Hollow nutzt wiederum Augmented Reality und ein dystopisches Setting, um in "Summit" (ab 9. Oktober) realen Krisen ein fiktives Abbild zu verpassen.

Im öffentlichen Raum findet "Fictions of the Flesh" (ab 1. Oktober) statt: Die norwegische Choreografin Ingri Fiksdal schickt einen Performer durch die Stadt, der in schräger Aufmachung eine "Öffnung gegenüber dem Unbekannten" einfordert. Ira Melkonyan und das rubberbodies collective lassen wiederum Farben sprechen: "Upstairs Geology 50/50" (ab 1. Oktober) ist an der Schnittstelle von Installation und Performance angesiedelt, wenn farbige Flüssigkeiten aus Farbbeuteln tropfen und auf schiefen Ebenen Bilder erzeugen. Und nicht zuletzt ist Lisa Hinterreithner zu nennen, die in ihre Auftragsarbeit "linger on" (ab 1. Oktober) Licht, Nebel und Klang aufeinandertreffen lässt und vier Performer dabei "die Möglichkeit einer kollektiven Empfindsamkeit" eruieren.

MUSIK

Wie üblich sehr umfangreich ist das Musikangebot beim donaufestival. Speziell ist heuer - auch aufgrund der Coronasituation - ein großer Österreichblock mit Künstlerinnen und Künstlern wie Gischt, Rosa Anschütz, Conny Frischauf und Jung an Tagen & Rainer Kohlberger. Ein internationales Highlight ist "Does Spring Hide Its Joy", eine Zusammenarbeit der Komponistin Kali Malone mit Lucy Railton und Stephen O'Malley, die zur Uraufführung kommt.

Ungemein vielseitig präsentiert sich Popneudenker Jerskin Fendrix, während die gehypte britische Band Black Country, New Road gefälligen Postrock mit jazzigen Versatzstücken verknüpft. Sehr ganzheitlich ist das Spiel von Bendik Giske, mikrofoniert der in Berlin lebende Saxofonist doch seinen ganzen Körper. Wer es zugänglicher mag, ist beim Rapper Ghostpoet gut aufgehoben, während Sängerin Jenny Hval mit ihrer neuen Formation Lost Girls vorbeischaut.

BILDENDE KUNST/INSTALLATION

Ein Gesicht ist ein Gesicht ist ein Gesicht: Michael Wallinger lässt in seiner Installation "fprs.19" einen halbtransparenten Spiegel zum Display mutieren, auf dem sich nicht nur das eigene Antlitz, sondern verschiedenste Gesichtsmuster abzeichnen - mal vertraut, dann wieder verfremdet und unheimlich. Dafür sorgen "'fehlerhafte' Interpretationen künstlicher neuraler Netzwerke", so die Beschreibung.

Politisch geht es bei der Gruppe Forensic Architecture zu, die sich mit "Triple-Chaser" daran macht, Menschenrechtsverletzungen aufzuklären und Machine-Learning in der Bildersuche zur Identifizierung von spezifischen Waffen verwendet. Die Arbeit war 2020 bereits in der Kunsthalle Wien zu sehen. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin Anne Imhof ist mit "Untitled (Wave)" vertreten, einer halbstündigen Videoarbeit, in der zu bedrohlichen Klängen das Meer ausgepeitscht wird.

FILM/TALK

Zwar nicht als physische Performance vor Ort, aber immerhin im Kino im Kesselhaus ist "Temple du présent - Solo for octopus" (2. Oktober) von Rimini Protokoll und ShanjuLab zu erleben. Dabei begegnen einander ein Oktopus und eine Naturforscherin und führen einen eigenwilligen Tanz auf. Im Anschluss gibt es einen Artist-Talk mit Stefan Kaegi und Nathalie Küttel.

Kurzfilmscreenings stehen am 3. Oktober an, darunter mit Lawrence Leks "Geomancer" ein Blick auf das Singapur im Jahr 2065 und dem Ausblick darauf, ein Popstar zu werden. Von Pionierinnen im Bereich der elektronischen Musik erzählt wiederum Lisa Rovner in "Sisters with Transistors" (9. Oktober), am selben Tag wird außerdem James Bridle in einer Onlinelecture über künstliche Intelligenz und ihren Auswirkungen auf Beziehungen sprechen.

Tickets und weitere Infos unter www.donaufestival.at