Freiwillige sollen Schätze aus der "Schachtel" retten. Die städtische Kulturarbeit öffnet sich jetzt für ehrenamtliche Mitarbeiter. Freiwillige werden noch gesucht.

Von Petra Vock. Erstellt am 14. Juli 2019 (15:35)
Heben gemeinsam die Schätze im Stadtarchiv: Kulturamtsleiter Gregor Kremser, Dagmar Engel, Esther Egger-Rollig, Bürgermeister Reinhard Resch, BereichsleiterinDoris Denk undMathilde Prantz (von links).
Johann Lechner

„Ich bin begeistert. Mehr als das kann es in einer Schuhschachtel kaum geben!“ Mit leuchtenden Augen erzählt Dagmar Engel von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Stadtarchiv. Engel ist Teil eines neuen Teams von Freiwilligen, die in die städtische Kulturarbeit eingebunden werden.

Die Schuhschachtel, die die Kremserin mit Leidenschaft für Ahnenforschung so fasziniert, beinhaltet über 1.500 Visitenkarten des Kremser Propstes Anton Kerschbaumer (1823–1909). Engels Aufgabe ist es, sie zu sichten und die Daten in geordneter Weise zu erfassen.

„Wir öffnen für die Freiwilligen Einrichtungen, die bisher für Bürger nicht zugänglich waren, wie Depot und Stadtarchiv.“ Bereichsleiterin Doris Denk

Schachteln wie diese gibt es im Stadtarchiv viele. Oft steht „Varia“ (Verschiedenes) drauf – das bedeutet, dass der Inhalt ungeordnet ist. Dieser Aufgabe möchte sich die ehrenamtliche Mitarbeiterin Mathilde Prantz widmen: „In einem Gang gibt es eine ganze Wand nur mit Varia – ich versuche, den Inhalt in eine Ordnung zu bringen, sodass künftige Forscher damit etwas anfangen können.“

Krems sei eine „Hochburg der Freiwilligen“ und „dieses Engagement wäre unbezahlbar“, würdigte Bürgermeister Reinhard Resch die Ehrenamtlichen, die in den über 500 Vereinen der Stadt tätig sind. Die Einbindung von Freiwilligen in die Kulturarbeit sei nicht als Ersatz für hauptamtliche Mitarbeiter gedacht, sondern als Ergänzung, betonte Doris Denk, Bereichsleiterin für Bildung, Kultur und Tourismus im Magistrat. Sie erhofft sich davon, dass die Kulturarbeit „vielfältiger und bunter“ wird. „Selbst wenn wir drei Mitarbeiter mehr hätten, könnten wir diese Kisten nie in absehbarer Zeit durchschauen“, erklärte Kulturamtsleiter Gregor Kremser, wie viel es zu tun gibt.

Koordiniert wird das Freiwilligenteam von der Soziologin Esther Egger-Rollig, von der auch der Anstoß dazu kam. Sie möchte das Team auf fünf Personen aufstocken und ist auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen. Nicht nur für vorgegebene Projekte im Archiv, sondern auch in der Stadtbücherei und im – bisher für Bürger unzugänglichen – Depot des „museumkrems“.

Wissenschaftler müsse man dafür nicht sein, auch Hilfe beim Einsortieren von Büchern sei herzlich willkommen: „Bitte keine Scheu haben!“, betont Egger-Rollig, dass für jeden das passende Projekt gesucht wird.