Kritik und Witz in Bunt im Karikaturmuseum. Mit 230 Karikaturen aus 25 Jahren zeigt man in Krems das Werk von Bruno Haberzettl.

Von Theresa Bittermann. Erstellt am 19. November 2019 (00:56)
Kritisch und politisch: die Skifahrermeute beim Warten (oben) und der Bundespräsident beim Nähen von Bruno Haberzettl (2014 bzw. 2016).
Bruno Haberzettl/Krone Bunt; Landessammlungen NÖ

2016 zeichnete der Karikaturist Bruno Haberzettl Alexander Van der Bellen, wie er eine zerrissene Österreich- Fahne zusammennäht. Die Bundespräsidentenwahl hatte zu dieser Zeit für verhärtete Fronten unter den Wählern gesorgt. Und die Karikatur ist, zwar in verändertem Kontext, aber dennoch auch 2019 noch aktuell.

Das ist nur ein Beispiel, wie Bruno Haberzettl den Kerncharakter gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen erfasst, sodass ihre Gültigkeit oftmals länger währt. Und: „Mit seinen kunstvoll gestalteten Karikaturen“ führe er die Tradition von Sokol, Deix oder Haderer „eigenständig weiter“, so Karikaturmuseumsdirektor Gottfried Gusenbauer.

Bruno Haberzettl ist geboren in Horn und lebt in Winzendorf. Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums bei der Krone Bunt zeigt das Kremser Karikaturmuseum erstmals eine umfangreiche Werkschau. Zu sehen sind über 230 Werke, viele aus dem Privatbesitz des Zeichners.

"Schon als Kind hatte ich einen ausgeprägten Zugang zur Natur"

Die Ausstellung behandelt drei übergeordnete Themen: Innenpolitik, Außenpolitik und Umwelt. Mit diesen Schwerpunkten trifft Haberzettl den momentanen Zeitgeist auf den Punkt. Seine Zeichnungen sind sehr bunt und voller Details. Nicht nur die Protagonisten, sondern die detailreichen Bilder als Gesamtheit sind kritisch und unterhaltsam.

Die Umwelt ist kein Trend-, sondern lange Kernthema und persönliches Anliegen für den Künstler: „Schon als Kind hatte ich einen ausgeprägten Zugang zur Natur und habe eine emotionale Bindung zur Umwelt aufgebaut. Ich habe momentan die Befürchtung, dass vielen Menschen diese Bindung zur Natur fehlt“, so Haberzettl.

Künstlerisch sieht der Niederösterreicher sich selbst „als sein größter Kritiker. Das beflügelt seine Kreativität und schützt ihn, nach eigenen Worten, vor Selbstüberschätzung“, meint Gottfried Gusenbauer.

Die Ausstellung bietet eine Retrospektive der letzten 25 Jahre. Dabei kristallisieren sich wesentliche gesellschaftliche und politische Entwicklungen heraus. Das zweimalige Scheitern einer schwarz-blauen Bundesregierung, die ewige Diskussion über den Nichtraucherschutz und andere österreichische Eigenheiten sind wiederkehrende Themen.

Häufige Kritikpunkte in den Karikaturen von Bruno Haberzettl sind auch die Konsumgetriebenheit der Gesellschaft und die Jagd. 

Zu sehen bis 1. März 2020,

www.karikaturmuseum.at