Mit Tusche und mit Chuzpe: Erich Sokols „Auslese“. Pünktlich zu Erich Sokols 85. Geburtstag zeigt das Kremser Karikaturmuseum posthum die bisher größte Schau.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 27. März 2018 (02:16)
Erich Sokol Privatstiftung
„Wenn ich meine Bilder erklären muss, höre ich auf zu zeichnen“: Erich Sokol. Der am 31. März 1933 geborene und 2003 gestorbene Zeichner und Karikaturist lebte zuletzt in Mödling, wo auch seine Privatstiftung sitzt.

Er war „einer der Besten“. Er war „unverwechselbar“. Und: „Er war ein Provokateur im besten Sinn.“

Das Zitat vom „Provokateur“ stammt von Hugo Portisch. Und steht, weiß auf samtrot, seit Samstag auf einer Museumswand. Darunter, tuscheschwarz, acrylbunt, auf weißem Zeichenpapier und auf fast vergegilbtem Zeitungspapier, hängt er, der Provokateur: Erich Sokol.

220 Originale hat das Kremser Karikaturmuseum in der „bisher umfassendsten“ Personale des Zeichners, Karikaturisten, ORF-Visionärs und Digital-Pioniers versammelt. Von 1955 bis 1999, von Amerika bis Mödling („dort hat er noch sehr viel gezeichnet“, so der Museumsdirektor), vom Playboy bis zur Kronen Zeitung und von der AZ bis zu Do & Co.

Vom Playboy bis zur Arbeiter-Zeitung

Das, sagt Gottfried Gusenbauer, „ist wirklich ein großer Schatz“. Den könne man, bei richtigem Licht und passender Temperatur („wir haben Bedingungen wie in der Albertina“), auch nur ein halbes Jahr zeigen, bevor er wieder in die „Dunkelpause“ muss. Dort, im Depot von Niederösterreichs Landessammlungen, liegen auch die meisten der 220 jetzt gezeigten und vielfach noch nie veröffentlichten Werke. Die anderen kommen von der Privatstiftung von Erich Sokols Witwe Annemarie (41 in Summe), aus dem Busch Museum, dem Wien Museum oder vom Plachutta.

Austernschlürfer und Kaviaresser sind da zu sehen, Fußball-Stars und Playboy-Hasen, Kanzler und (ÖVP-) „Tanten“, Feldherren und Schauspieler. Erwin Steinhauer trägt Schmollmund und Peter Turrini fängt einen Schmetterling, Johann Nestroy schultert ein Bajonett und Sigmund Freud geht angeln, Goethe schreibt am Laptop und Prinz Charles flirtet mit Miss Liberty, Bruno Kreisky tanzt am Eis und Jörg Haider reitet am Kamel.

Dazwischen hängen Briefe, Rechnungen, Honorare, von Playboy bis Presse. Daneben blinzelt das ORF-Auge über einer Wand voller Preise, einem digitalen Zeichentisch, der zum Nachmalen einlädt, und dem Sokol-Preis, der im September erstmals vergeben wird. Und im dritten Sokol-Raum im Obergeschoß reihen sich, schwarz auf weiß, Zeitungskarikaturen, angefangen von der allerersten, die 1955 gleich wieder beschlagnahmt wurde.

Bis 25. November ,

www.karikaturmuseum.at