Neustart statt Trübsal in St. Pölten. Nach dem Zuschlag für Bad Ischl gab es in St. Pölten Tränen und Spektakel. Und: neue (adaptierte) Pläne.

Von Michaela Fleck und Martin Gruber-Dorninger. Update am 18. November 2019 (10:52)
Eines der Projekte für „St. Pölten 2024“: die Turbinenhalle der Glanzstoff-Fabrik, wo man die „zentrale Ausstellung“, ein „fiktives Integrations-Museum“ und ein künstlerisches Sommercamp geplant hatte.
Mikulitsch

Befürchtet hatten es manche. Gerechnet hatte keiner damit. Und als vorvergangenen Dienstag dann Jury-Vorsitzende Cristina Farinha im Wiener Bundeskanzleramt sagte: „Congratulations to … Bad Ischl!“ war die Enttäuschung darüber, dass St. Pölten doch nicht Europas Kulturhauptstadt 2024 werden würde, groß.

„Sehr schade“ sei das, meinte etwa Künstlerin Eva Schlegel, „kein guter Tag“ sei das, so NÖ Kulturabteilungsleiter Hermann Dikowitsch, „ich könnte weinen“, seufzte NÖKU-Chef Paul Gessl. Und für Festspielhaus-Intendantin Brigitte Fürle wäre St. Pölten schon „rein kulturstrategisch“ an der Reihe gewesen.

Strategie gibt es noch immer

Auf eine Begründung des Entscheids – oder besser: auf den Abschlussbericht der Jury – müsse man, so hieß es, noch drei Wochen warten. Die Strategie für Europas Kulturhauptstadt, aus der, so Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner noch am Entscheidungstag, „Niederösterreichs Kulturhauptstadt“ werden soll, gibt es dagegen noch immer. Das Konzept für „St. Pölten 2024“ auch.

Schließlich hatte man schon im 53 Seiten starken Bid Book II einen „Plan B“ für die „kulturellen Infrastrukturprojekte“ formuliert. In dem sind das neue KinderKunstLabor (mit 12 Millionen Euro), das optimierte Festspielhaus (mit 6,85 Millionen), der neu gestaltete Domplatz (fünf Millionen), die revitalisierte Synagoge (vier Millionen), das erweiterte Stadtmuseum (750.000 Euro) oder der Klangturm (500.000 Euro) budgetiert.

Die dafür nötigen Gemeinderats- und Landesregierungs-Beschlüsse sollen schon „in den nächsten Wochen“ gefasst werden und die Projekte „selbstverständlich bis 2024“ umgesetzt sein. Daneben soll das „St. Pölten 2024“-Team weiter arbeiten und bis Sommer 2020 die Programmstrategie der „Landeskulturhauptstadt St. Pölten 2024“ fertig haben. Für die gab es schon am Entscheidungstag das erste Fest: ein „spontanes Spektakel“ am Rathausplatz.