Eine Frau, eine Million: Uli Aigner und ihr Porzellan. Die Gamingerin Uli Aigner arbeitet mit Porzellan. Klein, weiß, nützlich. Groß, bunt, mahnend. Und: millionenfach.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 11. Januar 2020 (10:40)
„Prekäre Balance“ hat Uli Aigner die 21 von mittlerweile 4.362 Gefäßen in ihren Händen betitelt (2018). Für sie sei ihr „Eine Million“-Projekt, so die Künstlerin, die von Elisabeth Melichar in der Wiener Galerie Smolka Contemporary vertreten wird, auch „ein Erinnerungsprojekt“.
Michal Kosakowski

Die Nummer 2.361 ist gelb-blau-orange-schwarz. 800 Kilo schwer. Gut 2,5 Meter hoch. Und steht gerade im St. Pöltner Dokumentationszentrum für moderne Kunst.

„Das ist angeblich das größte Porzellangefäß der Welt. Und das ist eigentlich eine Ausnahme.“ Sagt Uli Aigner. Denn: Die meisten Arbeiten der Künstlerin sind Schalen, Becher, Schüsseln. Zwei, acht, zehn Zentimeter hoch. Schlicht, weiß, nummeriert. Essgeschirr. „Ich mach’ Teehäferl für meine Mama. Ich hab’ aber auch schon zehn Kelche aus der Ming-Dynastie für den chinesischen Botschafter gemacht. Und ein Alkoholikerwohnheim ausgestattet.“

„One million“, also „Eine Million“, heißt das Projekt, das die ausgebildete Töpferin, diplomierte Produktdesignerin („Ich wollte unbedingt an die Angewandte“) und Kunsthallenleiterin (bis 2010 in München) 2015 („Da war ich 50“) gestartet hat.

„Ich will das bis an mein Lebensende machen. Auch wenn klar ist, dass ich’s nicht schaffe!“ Künstlerin Uli Aigner über ihr Eine-Million-Projekt

Seither hat die im Mostviertler Gaming aufgewachsene und heute in Berlin lebende Künstlerin über 4.300 Stücke angefertigt, „nur auf Auftrag“ und „mit dem besten Material, das ich kriegen kann: Porzellan“.

„Das Drehen“, das habe sie, die schon in New York, Berlin, Linz und dem Belvedere ausgestellt hat, immer interessiert. Von ihren Gefäßen drehe sie auch jedes selber. Und weiß „von 99 Prozent“ den derzeitigen Standort.

Von denen, die nicht „in die Welt gehen“, sind einige gerade in der Prandtauerstraße in St. Pölten ausgestellt. In, auf, vor, hinter einem riesigen, altrosa Geschirrschrank, „der“, sagt Uli Aigner, „für meinen Körper steht“.  

Bis 12. Jänner, www.noedok.at