kurzem Tritt. weiß Oberbereiter Andreas Hausberger.

Erstellt am 18. Juni 2013 (11:00)
NOEN, AMI Werbeagentur
Geniales Team: Oberbereiter Andreas Hausberger und Conversano Dagmar.AMI Werbeagentur
Von Tina Wessig

Wie aus Stein gemeißelt steht er da und piaffiert. Rhythmisch setzt er am Stand seine Beine auf, hoch konzentriert, seine Flanken beben und seine weichen, rosigen Nüstern vibrieren. Conversano Dagmar ist trotz oder gerade wegen seiner 25 Jahre ein eindrucksvoller Hengst, der Kraft und Leichtigkeit, Eleganz und Attitüde vereint. Die Nase perfekt in der Senkrechten, die Ohren nach hinten zum „Chef“ gerichtet.

Der – Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule, Andreas Hausberger – geht hinter ihm am Reitplatz und kommuniziert kaum merklich mit dem Weißen über den langen Zügel, für den Laien unsichtbar durch das Spiel seiner Finger. Wie leicht das aussieht, mag gefallen, wie schwer reiterliche Arbeit in dieser Perfektion zu erlangen ist, weiß Hausberger aus 41 Jahren am Pferde rücken.

Der 48-Jährige wuchs auf dem Gestüt der Eltern in Neuhofen an der Ybbs auf, kam 1984 als Eleve in die Spanische Hofreitschule, seit 2007 bekleidet er die Position eines Oberbereiters und soll künftig die Weiterentwicklung des Ausbildungszentrums am Heldenberg forcieren. „Zur Spanischen Hofreitschule zu gehen war für mich schon als Kind der einzig denkbare Weg“, ist er von seiner Berufswahl überzeugt. Aber: „Unsere Philosophie ist Reitkunst in höchster Präzision. Und sie bedeutet Blut, Schweiß und Tränen für den Eleven.“

Vom Junghengst zum Schulhengst

Die Ausbildung der jungen Pferde hingegen beginnt erst mit vier Jahren und erfolgt nach den Lehren der klassischen Reitkunst – behutsam und ohne Druck: „Das Pferd steht im Mittelpunkt. Es geht nicht darum, als Reiter zu brillieren, man muss das Pferd zum Strahlen bringen.“ Immerhin ist die Hofreitschule in Wien das einzige Reitinstitut der Welt, in dem seit mehr als 430 Jahren Ausbildung nach jahrhundertelangen, meist mündlich überlieferten Methoden durchgeführt wird.

Hat einer der tanzenden Schimmel seinen Zenit in der Reitbahn erreicht, hat er sich sein Gnadenbrot beileibe verdient. In private Hände wird keiner der Hengste vergeben. Aber im Trainingszentrum am Heldenberg gibt es künftig für Privatreiter die Möglichkeit, die Lehren der Hohen Schule mit dem eigenen Pferd oder bei Theorieseminaren zu studieren.

Wer das weiße Ballett hautnah erleben möchte, sollte am 29. Juni die Sommerresidenz der einstigen Kaiserschimmel der Habsburger Monarchie besuchen: Vor der Sommerpause, in der sie bei Ausritten in die umliegenden Wälder des Heldenbergs schonend bewegt werden, geben sie einmal noch ihr Bestes, darunter alle Gänge und Touren der Hohen Schule, Pas de Deux, Arbeit an der Hand und am langen Zügel, die Schulen über der Erde mit eindrucksvollen Sprüngen und die perfekte getaktete Schulquadrille.

Alle Infos:

Der Heldenberg liegt ca. 45 Minuten vom Wiener Stadtzen trum entfernt an der Horner Bundesstraße (B4). Karten für die Lipizzanergala am 29. Juni sind am Heldenberg, unter www.oeticket.at und unter 01 / 96096 erhältlich. Bei Schlechtwetter sind die Tickets für die Ersatzvorstellung am So., 30. Juni, 16 Uhr gültig.