Ein Raumschiff im Kurpark Baden. Ein Rundgang zwischen Goldzähnen, DDR-Models, Senkrechtstartern & Beethovenbrillen in Baden.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 22. Juli 2020 (02:59)
„Strahlkraft“: Lois Lammerhuber bei Justyna Mielnikiewicz und Sergej Maximischin im Kurpark.
NÖN / Fleck

Groß ist es für jede Stadt. Und zwar in jeder Hinsicht. „Es ist ja wie ein Raumschiff, das sich da hereingesetzt hat!“ Gibt Lois Lammerhuber zu. Und ist doch mächtig stolz, dass es heuer schon zum dritten Mal gelandet ist, sein Raumschiff. Und zwar mitten in Baden.

Dort, am Hauptplatz, im Kurpark, am Casino, hinterm Theater, neben dem Rathaus, entlang der Therme und in den Parks stehen und hängen seit vergangener Woche gut 2.000 Fotografien („vielleicht sind es heuer auch 1.700 – auf jeden Fall sind es viele“). Die waren im Vorjahr noch im bretonischen Dörfchen La Gacilly zu sehen. Und die sind diesen Sommer mit Europas größtem Fotofestival wieder in Baden eingezogen. Mit 33 Ausstellungen von über 30 Fotografinnen und Fotografen, mit zwei Themen und, auch das, mit jeder Menge lokalen Bezügen.

„Es ist radikal, es ist groß. Da kann man nicht sagen, man sieht’s nicht!“ Lois Lammerhuber über die Wirkung von Europas größtem Fotofestival

„Wir übernehmen von La Gacilly die komplette Schau“, erklärt Lois Lammerhuber, selbst Fotograf, Verleger und Badener Festivaldirektor. „Und wir ergänzen die lokale Verortung.“ Mit einem Schulprojekt, in dem es heuer von Seitenstetten bis Baden ums „Engagement“ ging – und das jetzt am Zaun der Frauengasse hängt. Mit einer Schau niederösterreichischer Fotografinnen und Fotografen, in der es heuer um die „Grenze“ ging – und die jetzt entlang des offenen Mühlbach-Kanals am Josefsplatz hängen. Oder auch mit Badens Beethoven, zu dem Lois Lammerhuber selbst Lieblingsplätze und Spazierwege, Büsten, Brillen und Briefe fotografiert hat – und in der Rathausgasse aufgehängt hat.

Image Sans Frontière am Casino Baden
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Wobei: Fotokunst gibt es heuer in Baden auch aus Frankreich und Amerika, aus Russland und der Arktis, aus der Ukraine und der DDR. Eines der diesjährigen Themen, „Im Osten viel Neues“, das sei auf seinem Mist gewachsen, so Lois Lammerhuber. Obwohl er viele der Fotografen selber gar nicht kannte. Aber: „Die Leute können richtig gut fotografieren.“

Da rodeln dann Schlauchboote hinterm Stadttheater Schneehügel hinunter. Da blitzen Goldzähne und Clownsnasen durch den Kurpark. Da schweben Frauen an Pusteblumen über einer Vinothek, da leuchten Schnee und Eis aus „einer der kältesten Städte der Welt“ vor dem Thermalbad, da ist ein uralter Senkrechtstarter unter einer Eiche am Kurmittelhaus gestrandet. Da schwimmen Wale (fast) im Doblhoffteich und erinnern Gasmasken an der Parkmauer an Tschernobyl.

Ute & Werner Mahler mit Sibylle Bergemann im Kaiserhausgarten.
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Da lächelt der Kaiser huldvoll durch die Sparkassenpassage. Und da parkt ein vanillegelber Trabi vor schwarzweißen Modefotos aus DDR-Zeiten zwischen Sonnenhut und Taglilien im Rosengarten des Kaiserhauses. „Das ist meine Lieblingsausstellung“, sagt Lois Lammerhuber. Unbedingt sehenswert! Bis 26. Oktober,

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