Landestheater NÖ: "Wir wollen wieder feiern!". Mit 17 Premieren, davon vier Uraufführungen, mit großen Namen und großen Themen hat Niederösterreichs Landestheater gerade seine kommende Spielzeit vorgestellt. Die wird "dicht und prall", und in der wird, so Landestheater-Leiterin Marie Rötzer, auch "wieder gefeiert".

Von Michaela Fleck. Erstellt am 11. Juni 2021 (08:53)
"Wir sind sehr optimistisch!": Landestheater-Leiterin Marie Rötzer (Mitte) mit Geschäftsführerin Olivia Khalil und Dramaturgin Julia Engelmayer bei der Spielzeitpräsentation für 2021/22 auf der Bühne des Landestheaters am St. Pöltner Rathausplatz.
Alexi Pelekanos

"Wir haben so viele Pläne, mit denen könnten wir die nächsten zehn Jahre spielen!" Lacht Marie Rötzer. Und hat für Niederösterreichs Landestheater, das vor drei Wochen seine Pforten erst wieder geöffnet hat, doch nur eine Spielzeit geplant: nämlich die für 2021/22. Die ist dafür so "dicht" und "prall" wie lange nicht. Bekanntes und Unbekanntes wird es da geben, Halbfertiges und Fertiges, aber auch "viele neue Projekte". Und drängende Themen, wie Gleichheit, Rassismus, Identitätspolitik.

"Wir beginnen", so die künstlerische Leiterin, "mit 'Othello', einem Stück über Vorurteile, Leidenschaften und Rassismus", für das man extra einen "schwarzen Hauptdarsteller" gesucht und "Hamlet"-Erfolgsregisseur Rikki Henry zurückgeholt hat. Und das, wie einige der insgesamt 17 Premieren zwischen 11. September 2021 und 18. Juni 2022, schon für die letzte Spielzeit geplant war. Auch Thomas Manns "Zauberberg" war schon "angeprobt" und wird in der Regie von Sara Ostertag "bunt und spielerisch", mit Musik von Clara Luzia. Neu am Premierenplan ist dagegen Berthold Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti", eine "wahre Anekdote rund um Herren und Knechte", die nach Molieres "Schule der Frauen" wieder Ruth Brauer-Kvam am St. Pöltner Rathausplatz in Szene setzen wird. Ebenfalls neu ist Henrik Ibsens "Volksfeind", ein "Happening rund um ein Bakterium an mehreren Samstagabenden", mit Theater und mit Diskurs. "Das war mir ganz besonders wichtig", so Marie Rötzer. Besonders stolz ist die Landestheater-Leiterin auf einen ihrer Gäste in der nächsten Spielzeit, Regie-Legende Frank Castorf ("dem durfte ich durch Zufall begegnen"), der "schon am Proben ist" und Irina Kastrinidis "Schwarzes Meer" in St. Pölten uraufführen wird. Autor Paulus Hochgatterer als Dramaturg und Puppenspieler Nikolaus Habjan als Regisseur treffen bei Elias Canettis "Die Blendung" aufeinander, während Luk Perceval mit dem NT Gent und seinem "Yellow" endlich auch auf der Bühne Uraufführung feiert und Theatermacher Alexander Pschill und Kaja Dymnicki mit Nestroys "Talisman" den Bogen (und die Saison) schließen. 

Außerdem im 73 Seiten starken Programmheft für 2021/2022: Gastspiele aus Zürich, Berlin und Hamburg, darunter Goethes "Faust I" mit Philipp Hochmair ("das ist ein Geschenk"), Stargäste wie Stefanie Reinsperger, die Ödön von Horváth liest, Jugendtheater in der Bühne im Hof, Kindertheater "erstmals" schon ab 3 und Büchners "Leonce und Lena" in der Inszenierung von Moritz Beichl in der Theaterwerkstatt. Und: das St. Pöltner Bürger*innen-Theater zum "Frauenleben in NÖ", das Erinnerungsbüro, ein grenzüberschreitendes Theaterprojekt namens "Die Reise" mit Tschechien, eine Kooperation mit NÖs Tonkünstler-Orchester rund um Schubert in St. Pölten, ein "Stücke-Fest" und die Veranstaltungsreihe "Die Beste aller Welten". 

"Wir wollen", hält Marie Rötzer fest, "wieder feiern" - nachdem das Haus in der aktuellen Saison "fast immer geschlossen war", so Geschäftsführerin Olivia Khalil, die die Zahlen der vergangenen Spielzeit "diesmal weglässt", auch, weil man nur "55 von 200 Vorstellungen" und "8 von 13 Premieren" gespielt hat. Aber: "Wir sind flexibel" und vor allem, so auch der neue Hashtag: #wirsindwiederda.

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