Vorlesen, Zuhören und „Onleihen“. In Niederösterreich gibt’s gerade jetzt jede Menge Lesestoff – und das auch im Netz.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 24. März 2020 (06:06)
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„Die Ballade von Max und Amelie“, das „Mörderhaus“, die Autorevue, „Die Zauberflöte“ oder „Luftpiraten“ – im Regal stehen sie alle. Aber nicht in einem aus Holz oder Stahl. Sondern in einem aus Datenpaketen.

Denn: Niederösterreichs 273 Bibliotheken haben aufgrund der Coronakrise zwar zu. Wie alle Kultur- und Kunsthäuser. Einschreiben, Aussuchen und Ausborgen geht aber trotzdem. Und zwar online.

noe-book.at heißt die größte Online-Bibliothek des Landes, die immerhin 15.000 eBooks, Magazine, Videos, Hörbücher und sogar Sprachkurse umfasst. Und das aus vielen Gemeinde- und Stadtbibliotheken von Drosendorf bis Edlitz und von Ernsthofen bis Hainburg. Die hat seit vergangener Woche ihre digitalen Pforten für alle geöffnet, und das, so Niederösterreichs zuständiger Landesrat Ludwig Schleritzko, „gratis“.

Die Einschreibung funktioniert per Mail, wer freigeschalten ist, kann sich anmelden und ausborgen. „Über 2.500 Niederösterreicher“ hätten das allein in der vergangenen Woche schon getan, viele elektronische Bücher sind zurzeit ausgeborgt, und manche Anmeldungen müssen noch bearbeitet werden. Aber: Man habe auch schon „zwei bis drei Mal nachgekauft“ und den Bestand aufgestockt.

Und die „Onleihe“? Die funktioniert fast so einfach wie die Ausleihe. Erst wird ausgesucht, dann angemeldet, dann ausgeliehen. Dabei kann, wie in der analogen Bibliothek, ein Titel immer nur von einem Nutzer ausgeliehen werden (außer, es gibt mehrere Bestände). Was gerade ausgeliehen ist, scheint mit dem Rückgabedatum auf und kann vorgemerkt werden. Und gelesen? Wird am eReader, am Smartphone, am Tablet oder am Computer bzw. am Laptop.

Am Handy, am Tablet und am Laptop kann aber nicht nur gelesen werden. Sondern auch vorgelesen. Und zugehört. Und das am besten diesen Donnerstag. Diesen Donnerstag ist nämlich Vorlesetag . In Europa, in Österreich und auch in Niederösterreich. „Gut 2.500 Veranstaltungen“ hatte die zugehörige Initiative allein für heuer in ganz Österreich geplant.

In Niederösterreich wollte Johanna Mikl-Leitner in der Landesbibliothek, eine Schulklasse in der Tannhäuser-Höhle bei Ybbsitz oder der ganze Hauptplatz in Mistelbach lesen. Und jede Menge Prominente von Alex Kristan über Mercedes Echerer und Elizabeth Engstler bis Gregor Seberg standen auch auf der Vorleseliste. Nur: Aufgrund der Coronakrise gibt’s all das so jetzt nicht. Einiges habe man bereits in den Herbst verschoben. „Der Vorlesetag findet trotzdem statt“, meint Werner Brunner, Verleger, Projektleiter und Feiertags-Schneebergfan. Und zwar im Netz.

„Zehn bis fünfzehn Lesungen“ mit Michael Schottenberg, Erich Schleyer, Stefan Slupetzky, Chris Lohner oder KiJuBu-Intendant Christoph Mauz nehme man gerade auf. Die sind am 26. März zwischen 9 und 18 Uhr stündlich auf dem eigens eingerichteten YouTube-Kanal zu sehen und zu hören. Dazu kann auch jeder seine private Lesung online stellen, seit Montag auf einer eigenen Mediathek.

„Fünf bis sieben Minuten lang, mit dem Handy aufgenommen und via WeTransfer geschickt“, so Brunner. Mit dem dritten österreichischen Vorlesetag will man aber auch eine Vorleseinitiative starten, die bis Jahresende Filme, Lesungen und Beiträge in Sachen Vorlesen zusammenträgt. Und die 2021 auch Vorbild für die nächste Vorleseinitiative in drei Ländern sein soll.

Und bevor es losgeht, mit dem Vorlesetag, hat man im Land gemeinsam mit Ruth Moser und dem G&G-Verlag noch schnell zwei Geschichten ausgesucht, zum kostenlos downloaden: nämlich Erwin Mosers „Mäusepiraten“ und „Igelkinder“, beide aus dem Vorleseband „Man kann jetzt herrlich träumen“. Damit gibt es, so Landesrat Ludwig Schleritzko, „frischen Vorlesestoff für die Jüngsten im Land“. Zu finden unter www.loslesen.a