Leser für mehr Urlaub. Weniger Arbeitsstunden, mehr Urlaub / ÖGB fordert: Sechste Urlaubswoche und kürzere Arbeitszeit. Die Wirtschaft reagierte empört.

Erstellt am 01. Juli 2013 (12:45)
NOEN, Collage Gerald Bischof
Von Madeleine Kopitschek

Beim Bundeskongress des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ÖGB wurde die Forderung nach einer sechsten Urlaubswoche immer lauter. Von der Arbeitgeber-Seite heißt es, man könne in Zeiten der Krise nicht solche Forderungen stellen. Der ÖGB sieht das anders.

Die NÖN hat diese Debatte zum Anlass genommen, um ihre Leser zu fragen, ob der Urlaubsanspruch auf sechs Wochen angehoben werden soll. Natürlich sprachen sich viele Leser dafür aus, sie verstehen aber auch die Einwände der Arbeitgeber-Vertreter und dass diese Anhebung viel Geld kosten würde.

Knappe Mehrheit war für sechs Wochen Urlaub, Wirtschaft lehnt dies ab

Bei der NÖN-Online-Umfrage gab es ein knappes Ergebnis: 52,6 Prozent der insgesamt über 6.063 abgegebenen Stimmen sind für sechs Wochen Urlaub. „Der Druck in der Arbeitswelt steigt, die Belastungen für die Beschäftigten nehmen zu. Arbeitnehmer benötigen ausreichend Erholungszeiten“, erklärt ÖGB-Regionalsekretär Franz Redl.

Auf Ablehnung stoßen die Forderungen des ÖGB bei Reinhart Blumberger, Obmann der Wirtschaftskammer Waidhofen: „Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung ist klar abzulehnen und ist auch volkswirtschaftlich und arbeitsmarktpolitisch nicht sinnvoll.“

„Man muss auch Bedeutung für Betriebe und die Wettbewerbsverzerrungen sehen"

Ardex-Geschäftsführer Anton Reithner aus dem Bezirk Melk sieht es nüchterner: „Natürlich klingt das verlockend. Wir alle hätten gerne mehr Urlaub, man muss aber auch die Bedeutung für die Betriebe sehen und die dadurch entstehenden Wettbewerbsverzerrungen.“

Für weiteren Aufruhr sorgt die ÖGB-Forderung nach einer 35-Stunden-Woche sowie einer zusätzlichen Abgabe von einem Euro pro Überstunde an das Sozialsystem. Blumberger lehnt den „Strafeuro“ ab: „Man kann einfach nicht z.B. 1,3 rechnerische Mitarbeiter auch tatsächlich einstellen. Notwendig ist vielmehr ein flexiblerer Arbeitszeitrahmen.“

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Stimmen aus NÖ zu "Leser für mehr Urlaub"

Harald Falkner, Eulenbach: „Aus meiner Sicht als Dienstgeber sind fünf Wochen Urlaub genug. Dienstnehmer werden anderer Meinung sein. In Österreich haben wir zudem sehr viele Feiertage.“

Günter Kreutner, Rafles: „Eine Urlaubs-Verlängerung wäre nicht schlecht. Man könnte dadurch den Arbeitsdruck etwas ausgleichen und mehr Zeit für Erholung aufbringen. Finanziell müsste dies machbar sein.“

Andreas Hann, Traismauer: „An sich ist gegen eine Ausdehnung nichts einzuwenden. Angesichts der Wirtschaftslage ist es aber schwer vorstellbar, dass die Wirtschaft das Forderungspaket des ÖGB verkraften kann.“

Anni Gretzel, Waldrandsiedlung: „Prinzipiell ist mehr Urlaub ja nie schlecht. Die Arbeitnehmer freuen sich bestimmt darüber, aber die Arbeitgeber werden vermutlich überhaupt nicht begeistert sein von der Idee.“