Lied, Land und Leute. Vertonte Eindrücke / Der Feder des 84-jährigen Johannes Oehl entstammen 360 Chorlieder über Niederösterreich. Seine Lieblingskomposition: Das „Lied an die Heimat“.

Erstellt am 07. Juli 2013 (14:45)
NOEN, Presse&Foto FRANZ GLEISS
Von Anita Kiefer

„Meine Eltern sind gerne gewandert, sie haben mich schon immer mitgenommen. Statt zu fotografieren habe ich irgendwann begonnen, die Eindrücke in Lieder zu fassen.“

Und das ist ihm gelungen: Mehr als 360 Chorlieder über Niederösterreichs Kultur, Historie, Feste und Landschaften in Melodie und Text hat der gebürtige Klosterneuburger Johannes Oehl komponiert. Und wurde dafür etwa mit dem Silbernen Stadtwappen der Stadt Klosterneuburg und zahlreichen Ehrenmitgliedschaften in niederösterreichischen Chören gewürdigt.

Erst im Juni hat der Stadtchor St. Pölten ihm und seinen Werken den kompletten ersten Teil eines Konzerts gewidmet.

Zeit fürs Komponieren war nerst in der Pensio

Musikalisch interessiert war Oehl schon immer. „Meine Eltern haben mich Klavier und Ziehharmonika lernen lassen“, erinnert er sich. „Nach der Matura habe ich einige Lieder komponiert, die sind aber in der Schublade verschwunden. Die habe ich erst in der Pension wieder hervorgeholt.“

Beruflich hat Oehl die Ausbildung zum Buchhändler absolviert und parallel dazu Anglistik und Romanistik studiert. Ursprünglich wollte er die Buchhandlung seiner Eltern in Klosterneuburg weiterführen, diese musste er jedoch schließen. „Ich habe auch überlegt, Lehrer zu werden“, erklärt er seine Studienwahl. Schlussendlich ist er bei der Mobil-Oil gelandet, wo er in der Lagerabteilung begonnen hat und in der Planungsabteilung in Pension gegangen ist. Bis 1975 hat Oehl in Klosterneuburg gelebt, dann ist er nach Wien übersiedelt. Einige Jahre hat der heute 84-Jährige auch in Deutschland gelebt. „Da sind durch das Heimweh viele Lieder entstanden.“

Sein „Lieblingslied“ aus allen 360 Kompositionen ist das „Lied an die Heimat“, das „auch bei Chören sehr beliebt ist“. Privat hört Oehl am liebsten klassische Musik. Und: „Die Beatles.“

Seinen vier Kindern hat er sein musikalisches Talent „leider nicht“ vererbt. „Auch die beiden Enkelkinder sind nicht musikalisch. Aber vielleicht dann die nächste Generation.“ Wofür im Leben von Johannes Oehl neben seinen Kompositionen noch Platz bleibt? „Meine größte Leidenschaft sitzt neben mir“, erzählt er lächelnd und deutet auf seine Lebensgefährtin Renate. Mit ihr ist er seit neun Jahren liiert. Kennengelernt hat sich das Paar auf einem Flug nach Mallorca. „Früher bin ich um die ganze Welt gereist. Das geht heute nicht mehr so“, bedauert er. Dafür verbringt er viel Zeit mit Nordic Walken und Wandern in und um Schoderleh bei Altlengbach, wo seine Lebensgefährtin ein Haus besitzt.

Das Komponieren hat Oehl übrigens auf Eis gelegt. „Renate schimpft deswegen immer mit mir. Aber sie hat mich beauftragt, ein Lied über die Vogerl zu schreiben, die so schön zwitschern. Ansonsten warte ich, bis die Muse mich wieder küsst.“

Heuer im September hat Oehl seinen 85. Geburtstag. Eine große Feier will er aber deswegen nicht geben. „Ich habe meine Geburtstage nie so gefeiert. Ich bin der Meinung, man sollte an diesem Tag seinen Eltern dankbar sein und nicht sich selbst feiern.“