Meilensteine für die moderne Medizin. Der Blick zurück

Erstellt am 25. Juli 2013 (08:00)
Die Gründung des AKH. Im 19. Jahrhundert beträgt die Lebenserwartung kaum 35 Jahre. Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) wird bei seinem 50. Geburtstag mit „ehrwürdiger Greis“ angesprochen. Von seinen fünf Geschwistern überlebte nur Cornelia die Kindheit – sie starb mit 27 Jahren. Ein Meilenstein der Medizin ist die Errichtung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien durch Joseph II. 1783. Es ist das erste Großspital Europas (2000 Betten), das sich nur der Heilung und Pflege kranker Menschen widmet. Die Hospitäler der Klöster und die Bürgerspitäler der Städte beherbergten auch alte, invalide und sieche Menschen. Das AKH wird Zentrum der weltberühmten Wiener Medizinischen Schule. Der Chirurg Prof. Theodor Billroth entfernt 1874 einen Kehlkopf, macht OPs an Leber und Milz, 1881 gelingt ihm die erste Magenresektion bei einem Krebs-Patienten.

Retter der Mütter. Der Arzt Ignaz Semmelweis eruiert die Ursache des Kindbettfiebers. Er empfiehlt die Händedesinfektion mit Chlorlösung vor der Geburtenhilfe, darauf sinkt die Sterberate der Mütter um die Hälfte! Die 1866 von Soldaten eingeschleppte Choleraepidemie – in NÖ sind über 400 Ortschaften betroffen – gibt den Anstoß zur Errichtung von Krankenhäusern auf dem Land. Ab 1856 werden in NÖ nach Vorbild des AKH moderne Spitäler errichtet. So in Krems 1872, in Wiener Neustadt 1889 und jenes in St. Pölten 1895, das Franz Joseph I. eröffnet. Es hat 150 Betten mit drei Abteilungen, Chirurgie, Interne und Infektionspavillon. Sie werden jeweils von einem Primar, einem Sekundararzt sowie 16 geistlichen Schwestern betreut.

Die Röntgenstrahlen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden bereits Stethoskope zum Abhorchen der Brust und die ersten Blutdruckmesser verwendet. 1895 entdeckt Wilhelm Conrad Röntgen eine Art von Strahlen, die bei der Durchleuchtung der Hand seiner Frau Handknochen und Weichteile sichtbar macht.Der Röntgenapparat revolutioniert weltweit die medizinische Diagnostik. Eine Weltsensation gelingt 1896 auch dem Frankfurter Chirurgen Ludwig Rehn. Er näht das Herz eines Gärtnergesellen, der bei einer Messerstecherei schwer verwundet wurde. Allerdings, Herz-und Kreislauferkrankungen sind am Beginn des 20. Jahrhunderts nur für rund 10 % der Todesfälle verantwortlich, gegen Ende werden es schon fast 50 % sein.

Hans Ströbitzer

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