Erstellt am 29. März 2014, 16:02

"Mein Waldviertel". Zugezogene, Weggezogene und "solche, die immer dort geblieben sind": Die jeweils persönlichen Bezüge von insgesamt zwölf Autorinnen und Autoren zum Nordwesten Niederösterreichs ergeben die Anthologie "Mein Waldviertel".

Die Anthologie "Mein Waldviertel" wird von Wolfgang Kühn herausgegeben und von Linde Waber illustriert.

"Oben ist der Himmel näher", konstatiert die Musikerin Cordula Bösze, die nicht nur dem legendären Filmclub in Drosendorf Reverenz erweist, sondern auch der unsentimentalen, entgegen allen touristischen Klischees unmystischen Klarheit und Härte der Region und ihrer mitmenschlichen Bewohner.

Die gebürtige Gmünderin Isabella Breier beschwört in wortbildmächtigem Erinnern vielgestaltige Kindheits- und Jugendreminiszenzen, der gebürtige Zwettler Josef Haslinger betitelt seinen anekdotenhaften Rückblick roseggerisch "Als ich noch ein Waldviertlerbub war". Der mäandernden Lust an Eigennamen und topografischen wie historischen Details frönt Bodo Hell ("Schimmelsprung"), der die Gegend am Kamp penibel und geradezu enzyklopädisch durchforstet.

Von Tagebucheinträgen, Querköpfen und biografischen Verwurzelungen

Tagebucheintragungen von Robert Kraner, gemeinsam mit Robert Schindel, Begründer der "schreibwerkstatt langschlag wurzelhof", dokumentieren das langsame Stranden des sich als gescheitert erlebenden Stadtflüchters. Bei Roman Marchel wird die scheinbar vorläufige Annäherung unversehens zur Ankunft auf Dauer. Über "Dick-, Quer- und kluge Köpfe" sinniert Andreas Nastl in eigenwilliger Interpunktion. An lyrisch anmutenden Setzkastenufern begibt sich Gabriele Petricek auf Spuren familiärer Verwurzelungen.

Thomas Sautner setzt Heda-Oma und Pepe-Onkel in Gmünd ein Denkmal, Bernadette Schiefer lässt die Dichterin Anna Achmatova in notizenhaften Verknüpfungen in Krems und andernorts ankommen, Mella Waldstein steuert einen Wandermonolog bei, Andreas Weber erzählt die Legende vom Räuberhauptmann Grasel.

Und Linde Waber berichtet von ihrer zeichnerischen Arbeit: "Es ist störend, immer wieder diese großen Häuser dazwischen, zwischen den ursprünglichen alten Bauernhäusern." Auch das ist - Ortsbildpflege hin, Dorferneuerung her - ein Stück nicht nur Waldviertler Wirklichkeit.