„Ewig schön“: Der zweite Haydn. Mit einem neuen Buch und einem Festkonzert feiert man in der Haydn-Region Joseph Haydns Bruder Michael.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 09. September 2020 (05:35)
Fünf Jahre jünger und zeitlebens mindestens so verehrt wie sein Bruder Joseph: Johann Michael Haydn, gemalt 1805 – da war er 68 – nach einem Porträt von Franz Xaver Hornöck.
Landessammlungen NÖ; W. Skokanitsch

In den 50er-Jahren war er schon „vergessen“. Zumindest behauptet das seine letzte Biografie. Aber: Die ist immerhin schon 70 Jahre alt. Und: „Wenn man genauer hinsieht, wird er immer noch sehr viel aufgeführt. In der Kirchenmusik ist er, wie man so schön sagt, wohlgelitten!“

Sagt Eva Maria Stöckler. Und bringt, gemeinsam mit Agnes Brandtner und pünktlich zum 283. Geburtstag von Johann Michael Haydn, die jüngste Publikation zum „zweiten“, zum anderen Haydn heraus. Der klinge, so einer seiner vielen Schüler in seinem Nachruf, nicht nur „ewig schön“ und „unveraltet“. Der ist, so Eva Maria Stöckler, tatsächlich „kein vergessener Meister“.

„Er hat einfach seinen Job gemacht – aber das sehr gut!“ Haydn-ForscherinEva Maria Stöckler über Johann Michael Haydn

Ein unterschätzter vielleicht noch immer. Aber das gilt ja auch für Johann Michaels Bruder Franz Joseph. Geboren wurde der zweite der drei in der Musikwelt bekannten Haydn-Brüder – der dritte und jüngste, Johann Evangelist, war Tenor – am 14. September 1737, im niederösterreichischen Rohrau. Berühmt wurde der Sängerknabe, Geiger und bischöfliche Kapellmeister aber ganz woanders: in Salzburg.

Leitet die Angewandte Musikforschung in Krems: Eva Maria Stöckler.
Landessammlungen NÖ; W. Skokanitsch

„Joseph und Michael standen beide in Diensten“, erklärt Eva Maria Stöckler, „der eine bei einem weltlichen Fürsten (zu Esterhazy), der andere beim geistlichen Fürsterzbischof in Salzburg – und das immerhin 40 Jahre lang.“

Geschrieben haben beide „auf Auftrag“ ihrer Dienstherren. Auch von Johann Michael gibt es daher „sehr viel Kammermusik“, kleine Orchesterpartiten, ein Trompetenkonzert, auch Sinfonien, „kurze, unterhaltende, wie die frühen Mozart-Sinfonien“, Bühnenmusik, etwa fürs Universitätstheater, „die sind ganz witzig, mit sehr lustigem Text“, erläutert Stöckler. Und nicht zu vergessen: Männerchöre.

„Da war er Pionier“, so die Musikwissenschafterin, die auch mit ihrer Arbeit über Michael Haydn am Zentrum für Angewandte Musikforschung der Kremser Donau-Uni „den Blick auf die musikalischen Dinge abseits des Mainstream legen will“.

„Wahnsinnig fleißig, sehr planvoll, sehr sauber“

Für Michael Haydns Männerchöre gab es einen eigenen Freundeskreis, „und wenn sie keine Lust auf Streichquartett hatten, haben sie Quartett gesungen“.

Im Komponieren waren sie sich „recht ähnlich“, die Haydn-Brüder, „wahnsinnig fleißig, sehr planvoll, sehr sauber“. Gegenseitig hätten sie sich sehr geschätzt und blieben auch lebenslang in Kontakt. Nur die Briefe, die gebe es leider nicht mehr.

Überhaupt gebe es von Johann Michael Haydns Werken „fast keine Drucke, das wurde damals händisch abgeschrieben und von Kloster zu Kloster weitergegeben“. Deshalb fände man ihn heute auch noch in „allen Klosterbibliotheken zwischen Salzburg und Wien, und natürlich auch in Melk und Klosterneuburg“.

Dort, aber auch an vielen anderen Orten in NÖ, „wo Musik stattgefunden hat“, soll diese auch in Zukunft wieder zu hören sein. „Die Haydn-Region“, so Stöckler, „versucht das eh“. Und präsentiert im Geburtshaus der Haydn-Brüder diesen Samstag nicht nur das jüngste, 180 Seiten starke und im Hollitzer-Verlag erschienene Michael-Haydn-Buch. Sondern spielt, im Petroneller Schloss („das ist ja eigentlich ein Originalschauplatz“), auch Michael Haydns Musik. Und zwar seine Sinfonie „Lamentatione“, gemeinsam mit der Pantomime „Der Traum“. Stöckler: „Das wird sehr spannend!“

www.haydnregion-noe.at