Erstellt am 26. März 2012, 00:00

Mister ORF ist achtzig Jahre. PAUL TWAROCH / Der langjährige Intendant des ORF-NÖ feiert Geburtstag. Das ORF-Urgestein machte das Landesstudio groß.

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VON THOMAS JORDA

Eigentlich wollte er ja Künstler werden … Paul Twaroch, ein Urgestein des ORF, wie man es nur selten noch findet, hat vor wenigen Tagen den achtzigsten Geburtstag gefeiert. Und er erinnert sich der verschlungenen Pfade, auf denen er seinen Weg gegangen ist.

„Ich komme aus einer gutbürgerlichen und kunstsinnigen Familie“, erzählt er. „Meine Eltern haben sehr gerne Klavier gespielt. Und ich habe an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Gesang studiert.“

Zu dem Zeitpunkt hatte er aber schon eine andere Lebensentscheidung getroffen. „Ich bin in eine Klosterschule gegangen, vielleicht wär’ ich Abt geworden. Aber auf dem Schulweg habe ich ein nettes Mädchen getroffen.“ Er ist mit seiner Emmi immer noch glücklich verheiratet.

Zur Sicherheit studierte Twaroch Rechtswissenschaften. Zum Glück, „denn Emmi hat mir gesagt, sie könne sich mich nicht wirklich als siebenten Sänger von links auf irgendeiner Bühne vorstellen“. Also Jus! Twaroch arbeitete als Rechtsanwalt-Anwärter in Hollabrunn, machte Karriere erst in der Prokuratur und dann im Handelsministerium. Und obwohl alle Karrierezeichen auf Grün standen, lockte ihn der ORF, der einen Generalsekretär suchte.

Wieder war Gattin Emmi mitentscheidend. „Sie hat mir Mut gemacht und gemeint: Du bist doch kein Beamter. Und ich will nicht, dass du jeden Tag um vier Uhr nachmittags heimkommst und mir in die Suppentöpfe schaust.“

Den Job gegen hundert  Bewerber bekommen

Twaroch bewarb sich also, wurde unter hundert Bewerbern genommen und war von 1970 bis 1978 Generalsekretär des ORF. Danach bot man ihm den Intendantensessel im blaugelben Landesstudio an.

„Ich habe die Position nicht angestrebt, aber im Nachhinein war sie ein Glücksfall. Das Wachstum des niederösterreichischen Selbstbewusstseins ging Hand in Hand mit dem größer werdenden Selbstbewusstsein des Landesstudios. Aber es war ein langer Weg, bis wir endlich ein eigenes Landesstudio in St. Pölten eröffnen konnten.“ Twaroch eröffnete 1998 und ging im selben Jahr mit 67 in Pen sion. Von 2000 bis 2002 war er Vorsitzender des Presserates, er veröffentlichte das Standardwerk zum Rundfunkrecht, ist Präsident des NÖ Fonds, der die Kulturzeitschrift „morgen“ herausgibt, und widmet sich den Schlosskonzerten. Diese Begegnungen mit den Nachbarn waren ganz wichtige erste Schritte über die Grenzen des Eisernen Vorhangs.

Der Vater von zwei Töchtern (Eva ist ORF-Paris-Korrespondentin, Gabriela Gerichtsvorsteherin der Josefstadt) und Opa dreier Enkel ist immer noch ein ORF- Mann.

„Natürlich hat der ORF Zukunft! Generaldirektor Alexander Wrabetz hat mir gratuliert und geschrieben, meine Leistung sei gewesen, trotz und mit großer Qualität Reichweite zu erzielen. Also, es geht doch!“