Mit allen Sinnen leben. Außergewöhnliche Initiative / Pfarrer Christoph Pelczar aus Weikendorf im Bezirk Gänserndorf hat eine Pfarr-App fürs Handy kreiert. Und bekam dafür einen Preis der Erzdiözese Wien.

Erstellt am 23. Juni 2013 (14:05)
Pfarrer Christoph Pelczar liefert die Pfarrnachrichten aufs Handy.
NOEN, Erich Marschik
Von Anita Kiefer

Smartphones und Handy-Apps sind aus der digitalen Welt nicht mehr wegzudenken. Im Alltag einer Pfarre haben sie bislang noch nicht Einzug gefunden. Das hat Pfarrer Christoph Pelczar jetzt geändert: Er hat die erste Pfarr-App – eine Anwendungssoftware – für das Handy initiiert. Seine Pfarre Weikendorf (im Bezirk Gänserndorf) erhielt dafür sogar den Sonderpreis des Wettbewerbs „Vor den Vorhang“ der Erzdiözese Wien. Mit diesem werden besonders kreative Präsentationsformen des Pfarrlebens prämiert.

„Der Mensch will ja mit allen Sinnen leben und ständig erreichbar sein.“ Durch diesen Grundgedanken kam Pfarrer Pelczar auf die Idee, Informationen über die Pfarre in Form einer App bereitzustellen. „Man bekommt Antworten auf Fragen aus dem Glaubensleben, Fotos und Informationen“, erzählt er. Momentan gibt es die App nur für Apple-Geräte. Eine App für Android-Nutzer ist in Planung.

Der Herr Pfarrer ist auch 
Einen Namen hat sich Pelczar davor bereits gemacht: nämlich als Fußball-Pfarrer. Pelczar war als Seelsorger bei der Europameisterschaft 2008 und (bis vor eineinhalb Jahren) für Vereine wie etwa den SK Rapid Wien tätig. „Ich hab’ extra ein grün-weißes Messgewand“, schmunzelt er. In Gesprächen versucht er, die Fußballspieler auf den richtigen Weg zur Lösung ihrer Pro-bleme zu bringen. Wie diese Dinge zusammenpassen? „Fußball und Glaube sind eigentlich eins. Die schönsten Glaubensgespräche habe ich im Stadion erlebt, nicht im Pfarrhof.“

Fußball selbst war schon immer eine Leidenschaft des heute 37-Jährigen. „Ich wollte immer Fußballer werden. Das ging aber wegen einer Krankheit in der Kindheit nicht“, bedauert der gebürtige Pole. Für sein Theologie-Studium kam Pelczar nach Österreich. „Ich habe nur ‚Grüß Gott‘ und ‚Mahlzeit‘ gekonnt“, erinnert er sich. Wie er Deutsch gelernt hat? „Ich habe mir die Simpsons angeschaut. Und am Nachmittag immer ‚Die Presse‘ gelesen.“

Der Fußball spielt auch in seiner Pfarre eine große Rolle: Jedes Jahr wird ein Fußballcamp veranstaltet. „Wir spielen auch Fußball bei Hochzeiten. Der Ball ist für mich ein Symbol für eine runde Beziehung. Wenn die Luft draußen ist, kann man nicht spielen.“ Seit elf Jahren lebt Pelczar nun schon in Weikendorf. Aktuell hat der Pfarrer zwei Pfarren und fünf Ortschaften zu betreuen. Generell versucht Pelczar, das Glaubensleben in seinen Pfarren so innovativ wie möglich zu gestalten: „Demnächst gibt es Gottesdienste der besonderen Art“, verrät er: Junge Leute aus der Pfarre werden im ganzen Land pfiffige Fragen an Passanten im Stil des „Ö3 Mikro-Manns“ stellen, die dann im Rahmen eines Gottesdienstes diskutiert werden. Und: Sogar die Inhalte seiner Predigten entstammen der digitalen Welt. „Facebook beeinflusst meine Predigten. Ich weiß so, was die Leute interessiert und was sie posten.“