"Geschichte genau so spannend wie Gegenwart". Seit Februar 2017 ist Dr. Monika Sommer-Sieghart Gründungsdirektorin des Hauses der Geschichte Österreich. Im Interview verrät sie uns, warum sich ein Besuch dort lohnt und was für sie Geschichte so interessant macht.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 27. November 2018 (12:00)
Julia Stix

NÖN: Ihren Job als Direktorin wollten viele. Was können Sie, was andere nicht können?

Monika Sommer: Seit ich Geschichte zu studieren begonnen habe, war mein Schwerpunkt immer die Geschichtsvermittlung. Ich habe mein ganzes Studium darauf aufgebaut. Ich habe eine Zusatzausbildung für Kuratoren im Museums- und Ausstellungswesen, habe meine Doktorarbeit auch einem museologischen Thema gewidmet. Die Schnittstelle zwischen fundierter wissenschaftlicher Arbeit, die ich geleistet habe, und der Auseinandersetzung mit Museologie im Praktischen wie im Theoretischen, das ist das Rüstzeug für meine Arbeit.

NÖN: Vereinfacht gesagt, Sie wollen Wissen unters Volk bringen?

Monika Sommer: Museen sind für mich wahnsinnig spannende Orte der Geschichtsvermittlung – um einerseits die wissenschaftlichen Erwartungshaltungen zufrieden zu stellen und andererseits das weiter zu geben, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an neuen Erkenntnissen erarbeitet haben.

NÖN: Das Haus der Geschichte soll angeblich in Haus der Republik umbenannt werden. Ist das realistisch?

Monika Sommer: Das ist eine Idee. Bundesminister Gernot Blümel hat das selbst als Arbeitstitel bezeichnet.  Wichtiger noch als die Namensdebatte ist aber, dass es eine klare Zukunftsperspektive für das Haus der Geschichte Österreich braucht. Der Name ist für mich offen und  nachgereiht im Hinblick auf viel drängendere Fragen. Das ist der Ort, das Budget. Das grundsätzliche politische Commitment haben wir, jetzt müssen uns um die Rahmenbedingungen kümmern.

Julia Stix

NÖN: Sie wollen also keinen neuen Namen?

Monika Sommer: Ich höre mit großem Interesse, was mir mein wissenschaftlicher Beirat sagt. Der rät eher ab vom Titel Haus der Republik. Die Gründe sind offensichtlich, es ist eine Ausblendung derjenigen Jahre, wo es eben keine Republik gegeben hat.

NÖN: Sie könnten bald dem Parlament gehören statt der Österreichischen Nationalbibliothek. Ist das ein Problem?

Monika Sommer: Gehören, das ist ein schwieriger Begriff, denn wir gehören dem Steuerzahler und der Steuerzahlerin. Was wir jetzt ausarbeiten müssen, ist ein klarer juristischer Rahmen, ein Ort und ein Budget. Und diese Entscheidungen müssen von der Politik kommen.

NÖN: Ihr Kollege Christian Rapp von Haus der Geschichte in St. Pölten hat immer wieder betont, es könne gar nicht genug Häuser der Geschichte geben. Schließen Sie sich dem an?

Monika Sommer: Kollege Rapp und ich haben das beste Einvernehmen. Ich finde es sehr positiv, dass man in vielen Bundesländern neu die Aufmerksamkeit in Richtung der Geschichte lenkt. Es ist wichtig, dass die Landesmuseen endlich diese Aufgabe wieder vermehrt wahrnehmen.

NÖN: Eifersucht gibt’s keine?

Monika Sommer: Ich sehe da wirklich kein Problem. Es gibt doch auch viele Kunstmuseen. Warum soll es nicht auch mehrere Museen geben, die Geschichtsvermittlung als ihren Fokus haben? Darüber hinaus hat das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich auch einen anderen zeitlichen Schwerpunkt.

NÖN: Wenn man bei Ihnen in der Ausstellung war, was hätten Sie gerne den Menschen gelehrt?

Monika Sommer. Was wir klar vermitteln möchten, ist, dass jeder in der Gegenwart ebenso Handlungsspielräume hat, wie sie die Menschen in der Vergangenheit auch hatten. Das heißt, Geschichte wird gemacht. Und ich wünsche mir, dass die Menschen aus dem Haus der Geschichte hinausgehen und das Gefühl haben, dass die österreichische Geschichte unglaublich spannend ist, dass es sich lohnt, sich damit auseinanderzusetzen. Es geht nicht um eine Nabelschau der eigenen Leistungen, sondern um ein konstruktives Nachdenken über dieses Österreich.

NÖN: Welches Objekt hätten Sie aktuell gerne in Ihrer Ausstellung?

Monika Sommer: Ich möchte anderen Sammlungen nichts wegnehmen. Aber im Moment wird zum Beispiel ein Auto versteigert, das perfekt in ein Haus der Geschichte Österreich passen: nämlich der Mercedes 600 mit dem die Bundespräsidenten Adolf Schärf, Franz Jonas und Rudolf Kirchschläger gefahren sind. Wir können ihn uns nicht leisten, aber vielleicht bekommen wir ihn als Leihgabe.

Das Interview führte Thomas Jorda.