Erstellt am 09. März 2015, 11:03

von Michaela Fleck

Der Meister der Männchen. ​Argentiniens berühmtestem Cartoonisten widmet das Kremser Karikaturmuseum ab morgen eine umfassende Werkschau.

Guillermo Mordillo in seinem Atelier  |  NOEN, Karikaturmuseum Krems
„Ich bin sozusagen zum Zeichnen geboren.“ Sagt er. Und hat schon gezeichnet, als er noch als Bub in den Straßen von Buenos Aires Fußball spielte. Heute, mit 82, zeichnet er noch immer. Und gehört längst zu den Bekanntesten, nicht nur in der Welt der Cartoonisten.

Grund genug, Guillermo Mordillo eine groß angelegte Werkschau im Kremser Karikaturmuseum zu widmen –  die erste in Österreich und eine der größten in Europa. Auch wenn das „nicht ganz einfach war“, erzählt Karikaturmuseums-Direktor Gottfried Gusenbauer.


Dieser lernte den Zeichner 2012 in München kennen. Und bemühte sich seither um eine Ausstellung. Denn: „Mordillo trennt sich nur sehr ungern von seinen Originalen.“ 112 davon, mit den Postern noch mehr, hat das Karikaturmuseum jetzt doch an die Kunstmeile gebracht. Und ihren Schöpfer zum Eröffnungswochenende gleich dazu.

Der kam in Jeans und Schiebermütze. Und mit einer guten Portion Humor. „Humor“, sagt Guillermo Mordillo, „ist die Zärtlichkeit der Angst.“ Das sei für Cartoonisten aktueller denn je, nicht erst nach Charlie Hebdo. „Je suis Charlie, das war eigentlich zu spät“, meint Mordillo. Und hat auch da, mit einem weinenden Clown, für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt.

Eigener „Politik und Kritik“-Bereich

„Wir wollten Mordillo auch als kritischen Geist zeigen“, meint Gottfried Gusenbauer. Ein eigener Bereich ist in der drei Räume und zwei Stöcke umfassenden Schau also dem Thema „Politik und Kritik“ gewidmet. Eine Friedenstaube sitzt da auf einem Kanonenrohr, Sträflingsstreifen „schmücken“ die Freiheitsstatue und pinke Wellen eine einheitsgraue Einfamilienhaussiedlung („Das ist eigentlich ein Cartoon gegen Totalitarismus“).

Titel haben Mordillos Cartoons keine, Worte auch nicht. Dafür tummeln sich in den knallbunten Bildern (und in den bleistiftgrauen Skizzen) Fußballspieler und Großwildjäger, Piraten und Soldaten, Minnesänger, Regenbogendiebe, Kinderwagenrennfahrer oder Spiegeleitaucher. Und, natürlich, Tiere.

„Ich mag sehr gerne Paare. Aber ich mag auch sehr gerne Tiere!“ Filme mag er auch, schließlich hat er in jungen Jahren Trickfilmfiguren für Paramount gezeichnet. Also gibt es im Karikaturmuseum auch ein kleines Kinokabinett. Und eine raumlange Vitrine mit ganz anderen, ganz frühen Mordillos, mit Kalenderblättern und Magazin-Cover. Hingehen, anschauen!

www.karikaturmuseum.at