Kultur-Neustart mit naiver Kunst. Überquellend und fantasievoll sind die Highlights aus der Sammlung Infeld, die das Gugginger Museum seit heute, Mittwoch, in seiner ersten neuen Schau im neuen Jahr zeigt. Eröffnet wird - zum ersten Mal - virtuell.

Von NÖN-Redaktion, APA. Erstellt am 10. Februar 2021 (14:03)

Seine Wiedereröffnung nach dem Lockdown und zugleich die erste Schau im 15. Jahr seines Bestehens feiert das museum gugging mit der Sonderausstellung "naiv.? naive kunst aus der sammlung infeld", die (hoffentlich) bis 5. September real zu besuchen ist. Zu erleben ist eine wunderbare Begegnung mit einer überquellend fantasievollen, vielfältigen und den Betrachter unmittelbar ansprechenden Kunstrichtung.

Kuratiert wurde die Schau von Yordanka Weiss, Leiterin der Sammlung Infeld, und Johann Feilacher, künstlerischer Leiter des museum gugging. Das Fragezeichen im Titel hat durchaus seinen Grund, denn im geläufigen Begriff von der "naiven Kunst" schwingt auch Abwertung mit. Ganz zu Unrecht, wie die über 120 Werke von insgesamt 31 Künstlern unter anderem aus Ex-Jugoslawien, Rumänien, Georgien, Polen, Deutschland, Russland und Frankreich eindrücklich zeigen.

Mit Fritz Opitz ist auch ein Gugginger Künstler vertreten. Worin liegt nun die Schnittmenge zwischen Art Brut und naiver Kunst? Feilacher sieht die Gemeinsamkeit in der autodidaktischen Entwicklung, wobei die "naiven" Künstler ursprünglich der jeweiligen Volkskunst verbunden sind. Opitz etwa gestaltete Lebensregeln und Haushaltssprüche, u.a. verziert mit Edelweiß-Motiven.

Die frühesten Arbeiten in der Ausstellung stammen aus den 1930er-Jahren, als sich um den jungen Bauern Ivan Generalic die Schule von Hlebine bildete. Später kamen Künstler wie Ivan Rabuzin, Matija Skurjeni und Slavko Stolnik hinzu und trugen als Chronisten ihrer eigenen Lebenswelt den Ruf der naiven Kunst aus dem kleinen jugoslawischen Dorf an der Drau in die große Kunstwelt. Josip Generalic, Ivans Sohn, entwickelte den Stil eigenständig weiter, Künstler wie Sava Sekulic drangen in surrealistische Bereiche vor.

Herzerfrischend sind die blühenden Stiefel von Franjo Klopotan, kurios wirkt die alte Braut von Ivan Generalic, in freundlich leuchtenden Farben ersteht der "Waschtag an der dörflichen Furt" von Slavko Stolnik vor dunklem Hintergrund. Auf Schritt und Tritt findet man fröhliche, originelle, auch groteske und - selten - düstere Bilder vor mit Dorfszenen und Fabelwesen, manchmal Hinterglasmalerei, manchmal Holzbildhauerei, oft erstaunlich detailreich und technisch geradezu altmeisterlich angefertigt. Da ergeben sich hie und da unweigerlich motivische Assoziationen von Bruegel bis Bosch.

Die Saitenproduzenten Peter Infeld und seine Mutter Margaretha Infeld begannen Mitte der 1960er-Jahre Kunst zu sammeln. Nach dem Tod von Peter Infeld im Jahr 2009 führt seine Witwe Zdenka Infeld die Sammeltätigkeit der Familie weiter. Infeld war u.a. mit Ivan Generalic lebenslang befreundet. Er besuchte auch das kroatische Dorf Hlebine: "Ein schönes Erlebnis zu sehen, wie die Menschen dort arbeiten, wie sie leben, wie sie ihre Kühe melken und gleichzeitig einen feinen Pinsel schwingen."

Heute umfasst die Sammlung Infeld neben Naiver Kunst auch Art Brut, Werke der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, Pop Art und buddhistische Meditationsbilder aus Tibet. Zwei repräsentative Kulturzentren - im burgenländischen Halbturn und auf der kroatischen Insel Krk - zeigen seit dem Jahr 2000 wechselnde Teile der Sammlung.

Eröffnet wird "naiv.? naive kunst aus der sammlung infeld" heute, Mittwoch, um 19 Uhr im Netz, Anmeldung dazu und der Link zum Stream unter www.museumgugging.at/de/besuch/kalender-uebersicht/digitale-eroeffnung-naiv 

Und morgen, Donnerstag, 11. Februar, ist von 10 bis 17 Uhr der Eintritt frei. 

www.museumgugging.at