Engel, Zulus und andere Propheten. Niederösterreichs ältestes Kirchenmusikfest öffnet diesen Sonntag schon zum 46. Mal seine Pforten.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 03. September 2019 (01:01)

Wenn die Herzen zerrissen, die Engel befohlen, die Hüter geweckt und die Gerechten (er-)leuchtet werden – dann sind auch die Propheten nicht weit. Und der Herr, über dem die Seraphim stehen, der erst zürnt, dann tröstet, der ist auch nicht weit. Weder in der Bibel. Noch in der Musik. Und erst recht nicht in der Kirchenmusik.

Dort wird längst nicht nur gebetet. Dort wird auch erzählt. Von einem „starken, eifrigen, auch wohl bösen und zornigen und finsteren“ Propheten etwa, der den erst 27-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy so faszinierte, dass er beschloss, ein Oratorium zu komponieren. Nämlich: den „Elias“.

Oder von einem englischen Lautenisten, der sich im Zeitalter von Elisabeth der I. zwischen Königinnen-Attentaten, Hof-Verschwörungen und eigenem Elend nichts sehnlicher wünschte, als bei Hofe angestellt zu werden. Und ganz nebenbei einige der schönsten Lieder für die Laute schrieb.

Lieder für Lauten, Songs aus dem Exil

Oder von einem armenischen Priester, der noch ein Jahrhundert vor dem englischen Lautenisten herzzerreißende Gedichte schrieb, über das Leben im Exil. Die 500 Jahre später von einem amerikanisch-armenischen Komponisten vertont wurden, als „Lieder aus der Verbannung“.

Oder auch von mittelalterlichen Mönchen, die ganz schlicht und doch ganz groß, ganz einstimmig und doch bald mehrstimmig, vom Himmel und der Erde singen, von Gott und Christus, von den Engeln und den Menschen.

Erzählt wird in der Kirchenmusik aber auch von ganz anderen Kulturen, von ganz anderen Völkern, von den Xhosa, den Venda und den Zulus. Und davon, was deren Töne mit denen von Giovanni Palestrina oder von Arvo Pärt gemeinsam haben.

Und wohin passen die Geschichten von Mendelssohn und seinem „Elias“ und von John Dowland und seiner Laute, von Mkrtich Naghash und seinen Gedichten, von den Gregorianischen Mönchen und ihren Chorälen und vom Cape Town Opera Chor und seinen „Sounds of Africa“ wohl am besten? In die Kirche. Und zu Niederösterreichs schon 1973 gegründetem Kirchenmusikfest, das heuer von 8. bis 29. September fünf Wochenenden lang den Dom und die Stiftskirchen von St. Pölten, Herzogenburg und Lilienfeld bespielt. Mit fünf Konzerten und vier Messen. Und: mit jeder Menge Geschichten.

http://www.festival-musica-sacra.at