Reichenau: "Wir liegen blank". Zwei Monate vor der ersten Premiere haben der Verein und die Gemeinde gestern, Dienstag, einstimmig die diesjährigen Festspiele in Reichenau abgesagt - wegen des "Geldes" und wegen der "Verordnungen", so Renate und Peter Loidolt. Die beiden Festspielgründer und -leiter wollen sich "aus dem operativen Geschäft" zurückziehen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 05. Mai 2021 (11:23)
Feierten 2018 Jubiläum und wollten sie mit der jüngsten Absage ihrer Festspiele 2021 "zurückziehen": Peter und Renate Loidolt im Foyer des Theaters in Reichenau.
Usercontent, Festspiele Reichenau / Dimo Dimov

"Es ist schmerzhaft, es ist enttäuschend." Gibt Renate Loidolt zu. Aber: Es sei unvermeidlich: Man müsse - nach 2020 - die Festspiele Reichenau auch 2021 absagen. Denn: "Wir haben jetzt schon zu viele reservierte Karten, als wir jetzt überhaupt vergeben dürften", erklärt Renate Loidolt. Und mit der Auflage, nur 50 Prozent der Sitzplätze in den Theaterräumen vergeben zu dürfen, wären die Verluste auf mehr als eine Million Euro gestiegen. Damit hätte man weder Verträge noch Gagen zahlen können. Und wäre, so Loidolt, "sehenden Auges in den Konkurs geschlittert". Weil: "Wir liegen blank!"

Also hat man gestern, Dienstag, einstimmig ("da gab es auch gar keine Diskussion") die für heuer geplanten vier Theaterproduktionen, die man schon vom Vorjahr verschoben hatte, und die "Literatur in Szene" mit über 80 (!) Vorstellungen abgesagt. Und geht sogar noch weiter. "Mein Mann und ich werden uns aus dem operativen Bereich zurückziehen", kündigt Renate Loidolt an - nach über 30 Festspiel- und 40 Vereinsjahren. Daher wolle sie auch zu 2022 noch nichts sagen, denn: "Es muss alles neu aufgestellt werden". Aber, da ist Renate Loidolt zuversichtlich: "Es wird weitergehen!"

Seitens der Gemeinde, zu einem Viertel Miteigentümerin der Festspiel GmbH, habe man „im Vorfeld alles versucht, um die Durchführung zu ermöglichen“, sich nun aber „gezwungen gesehen, der Absage zuzustimmen“.

Für das Land Niederösterreich ist die "coronabedingte Absage der Festspiele bedauerlich", man sei aber froh, "dass zahlreiche andere Sommertheater in Niederösterreich heuer spielen", so Kulturabteilungsleiter Hermann Dikowitsch. Wie es in Reichenau weitergehe, werde man erst nach Abschluss der derzeit noch laufenden Rechnungshofprüfung sehen.