AVEC über ihr neues Album, Intimität und Depression

AVEC alias Miriam Hufnagl, Musikerin und Songwriterin, sprach mit Anita Kiefer über ihr neues Album, Intimität und Depression.

Erstellt am 15. Oktober 2019 | 02:24
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AVEC alias Miriam Hufnagl
Foto: Kidizin Sane

NÖN: Am 17. Oktober sind Sie im St. Pöltner Cinema Paradiso zu hören. Wo stehen Sie lieber auf der Bühne: In familiären Settings, oder auf den großen Brettern? Im In- oder im Ausland?

Avec: Ich mag intime Konzerte, wo man auf einer Ebene mit dem Publikum am same floor steht. Homecoming ist für mich auch immer schön, aber auch im Ausland. Ich liebe es, auf Englisch zu reden, weil es mir auch leichter fällt.

Es heißt, Ihr neues Album „Heaven/Hell“ ist ein Zeugnis dessen, dass Ihre Musik erwachsener geworden ist. Nehmen Sie das auch selbst so wahr?

Avec: Auf jeden Fall! Ich war beim ersten Album ja relativ jung, 18. Ich war damals das erste Mal im Studio und mit Musik in Berührung. Beim zweiten Mal wusste ich schon, wie alles funktioniert. Ich bin auch persönlich zwischen dem ersten und dem zweiten Album gewachsen. Ich bin ja relativ jung, auch wenn ich mich nicht immer so fühle. Diesen Prozess des Wachsens hört man auch im Sound. Ich weiß mehr, was ich will.

Sie machen jetzt seit gut fünf Jahren Musik. Wie läuft der kreative Prozess bei Ihnen ab? Kommen die Ideen ständig im Alltag, oder erst beim Musizieren selbst?

Avec: Das ist unterschiedlich. Oft kommen mir Ideen und Inspiration draußen. Ich liebe die Bewegung und die Natur, ich liebe es zum Beispiel, während einer Zugfahrt zu schreiben. Oder ich merke, es muss etwas raus. Dann setze ich mich hin und versuche Akkorde und Textteile zu finden. Ich produziere Songs daheim in meinem Studio dann so weit es geht vor, und dann setze ich mich mit Andi, meinem besten Freund seit zehn Jahren, zusammen, und wir produzieren ihn gemeinsam fertig.

Jahrzehntelang kämpfte die heimische Musikbranche darum, als Prophet im eigenen Land mehr gesehen zu werden. Wie viel hat sich da in den vergangenen Jahren getan? Und ist es leichter geworden für österreichische Musiker, Fuß zu fassen?

Avec: Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Ob es leichter geworden ist, das kann ich nicht sagen. Es kommt ja sehr stark auf die Eigeninitiative an, und wie sehr man etwas will. Leicht ist es nie.

Wie kam es denn zu Ihrem Erfolg?

Avec: Das weiß ich bis heute nicht. Ich habe es nie kommen sehen. Und ich habe mir nie träumen lassen, dass ein Song von mir im Radio gespielt wird. Mein Hobby ist dann zum Beruf geworden, das ist ja der Traum schlechthin. Ich glaube, wenn man den Biss hat und etwas unbedingt will, dann kann man fast alles erreichen.

Gibt es etwas bestimmtes, was Sie den Hörerinnen und Hörern Ihrer Musik vermitteln wollen? Oder ist das Musik machen eine Art Therapie?

Avec: Das ist so und so. Das Musik machen hat ja einen therapeutischen Hintergrund für mich, weil ich mir schwer tue, Gefühle und Emotionen im Gespräch in Worte zu fassen. Im zweiten Album „Under Water“ hat die Message auch mit meiner eigenen Depression zu tun. Mental health ist berade bei Musikern sehr wichtig, es gibt genug, die da struggeln. Und es ist noch immer ein Tabuthema.

Sprechen Sie das Thema auch bei Konzerten aktiv an?

Avec: Teils, teils. Ich bin nicht die größte Rednerin auf der Bühne, weil ich eher schüchtern bin. Aber wenn ich das Bedürfnis habe, etwas zu sagen, dann mache ich das.

Welche sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Avec: Spielen, spielen, spielen! Ich möchte auf jeden Fal mehr im Ausland auftreten. Vielleicht sogar in Übersee – aber das ist ja für alle so der Traum.

www.cinema-paradiso.at