Außen mit innen. Marie-Therese Harnoncourt, Architektin, Wolkenturm-Planerin und NÖ Kultur- und Baupreisträgerin, sprach mit Michaela Fleck.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 18. Mai 2015 (11:30)
NOEN, Foto: Ferrigato
Marie-Therese Harnoncourt

NÖN: Seit letzter Woche macht die Wanderausstellung „BauTen für die Künste“ Station im NÖ Landhaus. Was zeigt die?
Harnoncourt: Die zeigt Adaptierungen und Neubauten an Kulturstandorten. Das ist aber keine Tafelwanderung, sondern eine Aufzählung, die sich eines künstlerischen Blicks bedient. Wir haben dafür ein raumgreifendes Objekt gemacht, den Nœcleus, eine „informed skulpture“, für die Rupert Hubert auch einen Sound komponiert hat.

44 Kunst-Bauten von 1995 bis 2017 sind da zu sehen. Ist die Architektur in Niederösterreich künstlerischer als anderswo? Und ist ein Architekt auch ein Künstler?
Ich sag immer, ich bin Architekt. Und ich habe einen anderen Zugang als ein Künstler. Das Resultat kann ja trotzdem ein Kunstwerk sein! In Niederösterreich gibt es einen politischen Willen zu zeitgenössischer Architektur und zu Kultur.

Was ist wichtiger: Form oder Funktion?
Für uns ist beides gleichwertig. Für uns müssen Räume etwas anbieten – und herausfordern, etwas damit zu tun.

Und wie wichtig ist der Ort?
Jedes Projekt ist unterschiedlich gestrickt. In Haag ist die Theatersommer-Bühne fast eine Sozialskulptur. In Grafenegg haben wir den Wolkenturm immer als eine Station im Park gesehen. Und die „Wolke 7“, die neue Pausenbar, die am 27. Mai eröffnet wird, ist ein Dach, das sich wie ein Blatt zwischen die Bäume legt.

Was braucht die Architektur Ihrer Meinung nach derzeit am dringendsten?
Mutige Bauherren. Und eine Politik, die vorangeht. Da gibt’s auch in NÖ im Wohnbau großen Nachholbedarf.