Dorothy Khadem-Missagh: "Bringen Musik zum Publikum". Dorothy Khadem-Missagh, Badener Pianistin & Festivalgründerin, sprach mit Michaela Fleck über Beethoven, Streams und Pyjamas.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 20. Mai 2020 (01:28)
Dorothy Khadem-Missagh
Horowitz

NÖN: Gerade haben Sie ein neues, ungewöhnliches Festivalformat gestartet – mit einem ungewöhnlichen Motto: „Beethoven20>Covid19“. Was gibt’s denn da zu hören?
Dorothy Khadem-Missagh: Die Programme reichen von Beethoven bis Breinschmid. Wir wollen mit den Konzerten einen positiven Beitrag leisten, das Publikum inspirieren und in eine andere Welt mitnehmen.

Covid hat Beethoven heuer ja ziemlich in den Hintergrund gedrängt. Und Ihr Festival, das Sie eigentlich am 3. April aus der Taufe heben wollten, konnte erst gar nicht starten.
Khadem-Missagh: Es ist natürlich schade, dass die Konzerte nicht an den Beethoven-Orten in NÖ stattfinden können. Als junges Festival ist es uns aber gelungen, innerhalb kürzester Zeit unser Konzept an die neuen Bedingungen anzupassen. Wenn das Publikum nicht zu uns kommen kann, bringen wir die Musik eben zum Publikum. Dafür muss man natürlich kreativ sein!

Jetzt wird also jeden Freitag online gespielt – wie geht das? Und wer kommt da sonst noch?
Khadem-Missagh: Wir streamen aus dem Konzertsaal des Casinos Baden, und ich bin auch selbst gespannt, wie das funktioniert. Der Saal klingt ganz anders, aber es bietet natürlich auch neue Möglichkeiten. Außer dem Chaos String Quartet vergangenen Freitag werden Georg Breinschmid, Wolfgang Bankl oder auch ich zu hören sein.

Das Publikum darf „im Smoking oder im Pyjama kommen“. Und „nach eigenem Ermessen“ Eintritt zahlen, der den Musikern als Honorar zugutekommen soll. Wie spielt man vor Pyjamas? Und wie lebt man ohne fixe Gagen?
Khadem-Missagh: In den letzten Wochen haben vermutlich viele Musikerinnen und Musiker zuhause selbst im Pyjama gespielt! Jetzt freue ich mich aber, endlich wieder in einem Konzertsaal zu spielen. Die wirtschaftliche Situation ist derzeit schwierig. Es ist mir wichtig, dass die freiwilligen „Eintritte“ nicht als Spenden verstanden werden, sondern als Beiträge zum Honorar – für Musiker, die ihren Beruf ausüben.

Was kommt als Nächstes?
Khadem-Missagh:  Wir arbeiten jetzt von Konzert zu Konzert, und ich bin gespannt, was uns alles einfallen wird, wenn wir uns einmal an die neuen Bedingungen gewöhnen.

www.beethovenfruehling.at