Elisabeth Leonskaja: "Musik muss die Seele ergreifen". Elisabeth Leonskaja, Weltklasse-Pianistin und gebürtige Georgierin, sprach mit Michaela Fleck über Ohren, Seelen und Träume.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 20. November 2018 (01:00)
Julia Wesely
Elisabeth Leonskaja, Weltklasse-Pianistin und gebürtige Georgierin, sprach mit Michaela Fleck über Ohren, Seelen und Träume.

NÖN: Diesen Sonntag sind Sie nach langem wieder in St. Pölten zu Gast, und zwar bei den Meisterkonzerten. Was bringen Sie da mit?

Elisabeth Leonskaja: Eine tief reizvolle Sonate von Schumann, sehr amüsant und schön, einen frühen Schubert, und damit der Hörer seine Ohren noch mehr aufmacht, das opus 19 von Schönberg.

„Romantische Klaviermusik“ steht über dem diesjährigen Eröffnungsabend. Also: Schubert und Schumann und nicht Mozart und Beethoven. Wie viel Romantik verträgt denn ein Konzertabend? Wie viel Gefühl braucht er?

Leonskaja: Gefühl ist sowieso in keinem Programm genug. Als ich Studentin war am Moskauer Konservatorium, hat eine wunderbare Pianistin „Romantik“ gespielt – von Bach bis Bartok. Es gibt keine Grenzen!

Von „wolkenlos und heiter“ sind gerade Schubert und Schumann himmelhoch entfernt. Wie passt das zusammen? Wie passt das Drama (aus dem Leben) in die Musik?

Leonskaja: Das Leben beider fällt in die Romantik, das Leben von Beethoven und Schiele fällt in den Sturm und Drang. Aber das sind nur Bezeichnungen. Schubert schreibt genauso klassisch wie Mozart.

Schubert begleitet Sie ja schon lange, jetzt von Athen über Berlin bis Paris. Und Schumann nehmen Sie gerade für eine CD auf. Was haben beide, dass man sie immer wieder spielen – und hören – muss?

Leonskaja: Die genialen Werke müssen immer wieder gespielt werden – und gehört.

Im August hat man Sie im Stift Altenburg beim 40. Kammermusikfestival Allegro Vivo gehört. Im Vergleich zum Wiener Musikverein oder zur Moskauer Tschaikowsky-Hall ist das ja eher ein kleiner Rahmen. Wie wichtig ist der Ort für die Musik? Und wie wichtig ist das Publikum für die Pianistin?

Leonskaja: Die Musik gehört überall hin. Ich mache da keinen Unterschied. Und ich habe wirklich Vertrauen ins Publikum. Ich denke, die Musik muss die Seele ergreifen. Wenn die Menschen sich vergessen, in der Zeit, dann war es gut.

Wo und mit wem wollen Sie unbedingt noch musizieren?

Leonskaja: Da ist so viel geplant. Mein Traum wäre, mit Bernhard Haitink zu musizieren …

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