Elisabeth Ullmann: „Man hört ja auch mit den Augen!“. Elisabeth Ullmann , Organistin, Festivalleiterin und gebürtige Grafenschlagerin, sprach mit Michaela Fleck über Romantik, Knochenarbeit & Kirchenorden.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 03. September 2021 (04:03)
440_0008_8163139_noe35elisabethullmannzwettlbigenzahn.jpg
Elisabeth Ullmann , Organistin, Festivalleiterin und gebürtige Grafenschlagerin. Foto: Wolfgang Bigenzahn
Wolfgang Bigenzahn

NÖN: Diesen Sonntag eröffnen Sie die OrgelkunstZiersdorf 2021. Was gibt’s da zu hören?

Elisabeth Ullmann: Wir sind ja schon im zwölften Jahr. Und wir versuchen jedes Jahr, andere Besetzungen zu bringen. Im Mittelpunkt steht natürlich die Orgel. Daneben sind Blechbläser immer ein Thema, gerade hier in der Gegend. Diesmal haben wir zur Abwechslung einen Frauenchor zu Gast. Und unser Sohn [Anm.: Organist Johannes Bigenzahn] spielt heuer auch wieder.

Am Programm steht da aber nicht nur Bach, sondern auch Piazzolla und Pirchner.

Wir haben ein bisschen alte Musik, Monteverdi und Bach, aber auch Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert für Blech oder ein Ave verum von Herwig Reiter. Es wird auf jeden Fall sehr romantisch!

Eine Pfarrkirche ist ja auch kein „üblicher“ Konzertort. Wie spielt es sich dort?

Die Kirche ist auch ein spiritueller Ort. Und gerade die Kirche in Zierdorf ist sehr spannend, das war ja eine kleine Dorfpfarrkirche, die in den 90ern vergrößert wurde. Und die Grenzing-Orgel ist ja ein Neubau, da ist nichts versteckt, da ist man hautnah d’ran. Aber natürlich sind die klimatischen Konstellationen anders als in Konzertsälen. Im Stift Zwettl, wenn es im Winter unter null Grad hat, da geht konzertant gar nichts!

Stichwort: Zwettl. Dort haben Sie ja mit Ihrem Mann 25 Jahre lang das Orgelfest geleitet. War das dann auch genug?

Das war eine Ära. Aber es war doch eine Knochenarbeit. Und als wir uns im alten Pfarrhof in Ziersdorf angesiedelt haben, war es Zeit für Neues. Zwettl ist für mich eine musikalische Heimat. Ich habe ja als junges Mädchen in Grafenschlag angefangen, Orgel zu spielen, in einer sehr kleinen Kirche, wo es im Winter brutal kalt war…

Anfang Juli haben Sie vom Zwettler Abt auch den Heiligen Hippolyt in Gold der DiözeseSt. Pölten bekommen. Ist das eine Ehre?

Eine große Freude und eine Ehre. Das ist eine kleine, goldene Plakette, die liegt bei mir am Spinett. Und ich finde es schön, dass gerade eine Frau einen Orden der Kirche bekommt! www.orgelkunst-ziersdorf.at