Filmemacherin Clara Stern im NÖN-Gespräch. Clara Stern, (Kurz-)Filmemacherin mit Brucker Wurzeln, sprach mit Michaela Fleck über lange Nächte, kurze Filme, Trends & Idyllen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 19. Juni 2018 (01:13)
Wimmer

NÖN: Diesen Donnerstag sind Sie im St. Pöltner Cinema Paradiso zu Gast. Und zwar zu einer langen Nacht am längsten Tag. Geschlafen wird da aber nicht, oder?

Clara Stern: Schlafen sollte man lieber nicht, das ist im Kino sehr unhöflich! Und es gibt absolut keinen Grund zu schlafen. Da wartet eine sehr spannende Nacht mit fantastischen Kurzfilmen!

Die „Golden Nights“, die heuer erstmals in NÖ Station machen, gehören zu den besten Kurzfilmen der Welt. Einer davon ist Ihr „Mathias“. Was hat der? Und was haben die anderen 33, die da in zwölf Stunden gezeigt werden?

Stern: Es sind sehr politische Filme, beim irischen Film geht’s um Abtreibung, bei meinem geht’s um Transgender. Und jeder Film hat in seinem Land den Akademie-Preis für den besten Kurzfilm gewonnen.

Mit den Kurzfilmemachern waren Sie auch gerade auf Tour. Und mit acht von ihnen fahren Sie dieses Wochenende gleich weiter, auf einen Bauernhof im Yspertal. Wie wird das? Und wird dort, im Waldviertel, auch gedreht?

Stern: Nein, das Ziel ist der Austausch. Das war auch in Paris so, wo ich vergangene Woche war. Drehen wird dann jeder selbst. Wir sollen aber auch unsere Filme mitnehmen, ins Waldviertel – und Badesachen!

„A Sunday in the Country“, zu der die europäische und die österreichische Filmakademie da einlädt, klingt ja fast ein bisschen idyllisch. Wie viel Idylle verträgt denn ein (Kurz-)Film?

Stern: Man kann einen Film auf hundert Arten erzählen. Auch ein politisches Thema passt in eine visuell starke Landschaft, die kann auch idyllisch sein. Meine große Streitszene in „Mathias“ spielt ja auch am See, vor Sonnenuntergang.

Was braucht ein Kurzfilm?

Stern: Ein Kurzfilm braucht eine starke Idee, ein Langfilm braucht mehrere Ideen.

Und was macht einen österreichischen (Kurz-) Film aus?

Stern: Der Fokus liegt auf sehr individuellen Geschichten mit starken Persönlichkeiten. Das ist insgesamt ein cineastischer Trend.

Was drehen Sie als Nächstes?

Stern: Ich arbeite am ersten Langfilm, das ist auch eine Transgender-Geschichte, Arbeitstitel „Training“. Und da die Eltern der Hauptfigur aus Niederösterreich kommen, will ich auch in NÖ drehen. Diese zwei Welten, Stadt und Land, die interessieren mich sehr!

„Mathias“ ist am 21. Juni bei den „Golden Nights“ im St. Pöltner Cinema Paradiso und am 5. August beim Mondscheinkino in Eggenburg zu sehen.