Florian Boesch über Blumen, Relevanz & Tom Waits. Florian Boesch, (Bass-)Bariton, Opern- und Liedsänger, sprach mit Michaela Fleck über Blumen, Relevanz, Wohnzimmer & Tom Waits

Von Michaela Fleck. Erstellt am 27. März 2018 (02:16)
Lukas Beck

NÖN: Am Ostermontag sind Sie mit der „Winterreise“ zu Gast im Schloss Thalheim. Gibt’s da auch den Frühling zum Anhören?

Florian Boesch: In der „Winterreise“ gibt’s sehr wenig Frühling. Da gibt’s nur die Blumen als Sehnsuchtsort.

Neben „gefrorenen Tränen“ und „trüben Wolken“ begleiten den, der da durch den Winter wandert, vor allem große Gefühle. Wie singt man eigentlich von der Liebe? Oder vom Tod? Und darf man auf der Bühne weinen?

Boesch: Interessante Frage. Eigentlich müsste man beim klassischen Singen immer Herr seiner Organe sein. Ich finde es aber gerade an der Grenze interessant. Borderline wäre das Wort dafür. Eine stabile „Winterreise“ singen, das ist mir fad!

Gesungen haben Schuberts Liederzyklus schon alle. Warum muss man den, 191 Jahre nach seiner Entstehung, noch immer singen? Und was hat der mit Tom Waits gemeinsam?

Boesch: Müller hat die „Winterreise“ über sich geschrieben. Schubert hat die „Winterreise“ über sich komponiert. Und der Pianist und der Sänger spielen die „Winterreise“ über sich. Es gibt kaum ein Stück, in dem es so stark ums Ich geht. Und Tom Waits ist ein Nachfahre von Schubert!

Gelernt haben Sie erst bei Ihrer Großmutter. Gesungen haben Sie wie Ihr Vater Christian auch in der Oper. Bekannt sind Sie aber vor allem als Liedsänger.

Boesch: Ich brenne für das Liedsingen, dann kommt das Konzertsingen, davon lebe ich. Oper interessiert mich nicht. Aber Musiktheater, wo ich auch Mitstreiter, Mitarbeiter sein darf, das interessiert mich!

Wie singt es sich – im Vergleich zum Musikverein, zur Carnegie Hall oder zur Felsenreitschule – in einem Mostviertler Schloss?

Boesch: Ich kann auch im Wohnzimmer etwas Relevantes singen. Und um die Relevanz geht es. Wenn man die Arbeit nicht ernst nimmt, ist sie die Zeit nicht wert.

Was wollen Sie unbedingt noch singen?

Boesch: Als junger Mann gab es schon eine Liste, da stand zum Beispiel die „Schöpfung“ mit Harnoncourt d’rauf. Diese Liste war eine kurze. Und diese Liste ist fertig …

2. April , 15 Uhr, Festsaal Schloss Thalheim, www.SchlossThalheimClassic.at