Jo Aichinger über Zauber, Träume & Brachialfeste. Jo Aichinger, Kremser Kulturmacher und Festivalgründer, sprach mit Michaela Fleck über Zauber, Träume, Kirchenräume & Brachialfeste.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 26. März 2019 (01:06)
Lackinger
Jo Aichinger

NÖN: Diesen Freitag öffnet das Kremser Osterfestival „Imago Dei“ zum zwanzigsten Mal seine Tore. Wird da heuer gefeiert?
Jo Aichinger: Es gibt nur das Programm! Und wir haben schon vier Tage ausverkauft – das gab es noch nie! 1999, als ich mit Renald Deppe die Idee geboren habe, war das als einmaliges Festival gedacht. Ich habe nicht angenommen, dass es so lange läuft…

Für den Titel, „Imago Dei“, also: „Das Abbild Gottes“, muss man zwar Latein können. Fürs Programm nicht. Wie viel Gott steckt da drin?
Aichinger: Es ist mir immer um die Frage der Spiritualität gegangen, nicht nur um Religiosität. Für mich ist die Religion heute zur Politik geworden. Der Zauber geht immer mehr verloren. Und es wird heute zu viel Angst vor allem gemacht…

Dreh- und Angelpunkt ist Ostern. Warum nicht Pfingsten? Oder Weihnachten?
Aichinger: Weil Ostern vom theosophischen Hintergrund die wichtigste Zeit in der Kirche ist. Und wir sind ja in einer Kirche! Da steckt die Wiedergeburt genauso drin wie der Tod. Oder das Opferthema von heuer. Als Opfermahl werden wir etwa am Palmsonntag ein Brachialfest feiern, mit gegrillten Fischen und gekochtem Ziegenkopf…

Die Musik bei „Imago Dei“ kommt heuer aus Georgien, Marokko, Ägypten oder der Wachau – ist also, wie auch beim von Ihnen gegründeten Weltmusikfestival „Glatt & verkehrt“, Weltmusik im besten Sinn.
Aichinger: Bei „Glatt & verkehrt“ kann man einfach in der Weltmusik graben. „Imago Dei“ macht da schon mehr Arbeit! Ich bin jetzt im Kopf schon beim nächsten Festival, da geht’s um Visionen…

Renald Deppe kommt heuer wieder, auch Bodo Hell. Gidon Kremer, Barucco oder die Önder-Schwestern sind zum ersten Mal da.
Aichinger: Nächstes Jahr kommt Wolfgang Mitterer, der kriegt einen Kompositionsauftrag. Seit Jahren bemüh’ ich mich schon um Pianist Markus Hinterhäuser. Und ein Wunsch ist auch Komponist Beat Furrer.

Was wünschen Sie sich noch?
Aichinger: Ich träum’ davon, aus der Kirche raus zu den Leuten zu gehen, mit Gesprächen an verschiedenen Plätzen, auch im Wohnzimmer, 40 Tage lang, durch die Fastenzeit hindurch…

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