Julia Purgina: „Wie arm wär’ die Welt ohne Musik!“

Bratschistin, Komponistin und St. Pöltnerin Julia Purgina sprach mit Michaela Fleck über Gedanken, Gefühle, Spielräume und Geschenke.

Erstellt am 04. Oktober 2021 | 11:25
Lesezeit: 2 Min
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Hat 2020 ihre erste Oper in Wien uraufgeführt und für St. Pöltens Schubert-Zyklus vier "Moments" für Streichquartett geschrieben: Musikerin und Uni-Professorin Julia Purgina.
Foto: Maria Frodl

NÖN: Morgen, Dienstag, feiern Sie mit Ihrem jüngsten Streichquartett in St. Pölten Uraufführung. Und zwar im Rahmen des von Stefan Zenkl initiierten Konzertzyklus „Schubert 200“. Wie wird das? Und wie kam das?

Julia Purgina: Das sind „Vier moments musicaux“. Stefan Zenkl und ich haben schon als Jugendliche miteinander musiziert. Und ich fand, Schubert ohne Kammermusik geht gar nicht. Also haben Roland Freisetzer und ich zwei Stücke geschrieben, jedes zehn Minuten lang, und ich hab’ dafür ein junges Quartett [Anm.: das Selini Quartett] ausgesucht…

Und wie klingen diese „Momente“? Und wie klingen die neben Franz Schubert?

Purgina: Das sind eher musikalische Gedanken. Die spielen auch auf Schuberts Impromptus und Moments an. Der Bezug ist die kurze Form – und vielleicht der Klangraum, der bei Schubert durch die Harmonik entsteht. Bei mir sind es halt freiere Rhythmen [lacht]!

Haben Sie dann auch mit den vier Musikerinnen geprobt? Das geht mit Herrn Schubert ja nicht mehr…

Purgina: Und das find’ich wirklich schade! Ja, wir haben am Wochenende geprobt. Aber ich notiere auch so genau wie möglich. Ein Spielraum bleibt immer, sonst gäb’s ja keine Interpretation.

Wieso muss man Schubert noch immer und immer wieder spielen und hören?

Purgina: Ich finde die Musik von Schubert absolut großartig, gar nicht altmodisch. Sie berührt einen emotional, und es steckt so viel Feinfühligkeit drinnen.. Das ist auch das, was ich an Musik schätze, dass sie eine sinnliche Kunst ist, die einen in eine andere Welt entführt. Das ist auch ein Geschenk – wie arm wär’ die Welt ohne Musik!

In St. Pölten waren Ihre Kammermusik- und Orchesterwerke und auch Ihre erste Oper, die im September 2020 uraufgeführt wurde, bisher so gut wie gar nicht zu hören. Dafür in Wien, München, Japan oder Helsingborg. Was kommt als nächstes?

Purgina: Dabei wäre das naheliegend! Ich arbeite gerade an einem Stück für E-Gitarre und einem für Orgelsolo, und im November kommt ein Chorstück von mir.

Karten und Infos: www.schubert200.at