Marialena Fernandes: Hören & Zuhören als oberstes Gebot. Marialena Fernandes, Pianistin, Pädagogin, Philosophin & Wahl-Pottendorferin, sprach mit Michaela Fleck über Neugier, Noten, Indien & Konzerte für zwei.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 03. März 2021 (03:34)
Marialena Fernandes
Fernandes

Gerade ist die jüngste Runde des Landeswettbewerbs von Prima la Musica gestartet – mit Ihnen in der Jury. Wie wird denn die?

Marialena Fernandes: Ich war schon in fast allen Bundesländern bei Prima la Musica dabei. Und als ich das erste Mal in NÖ gefragt wurde, war klar: Das muss ich machen! Das ist ein schwieriges Jahr für uns alle. Aber ich bin ein neugieriger und interessierter Mensch. Und der neugierige Mensch sucht das Positive.

Österreichs größten Wettbewerb für junge Musiker gibt’s ja schon seit 27 Jahren. Online war er aber noch nie. Wie geht das? Was macht das, mit der Musik, den Kandidaten, den Juroren? Und hört man im Netz anders?

Fernandes: Mit der Musik macht das sicher was, da gehen manche akustische Dinge verloren. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die jungen Menschen sich wesentlich lockerer in der digitalen Welt bewegen. Das ist für sie ein Vorteil und für uns. In jedem Lehrer steckt der Schüler, in jedem Juror steckt der Kandidat. Das hoffe ich. Und dass ein Kandidat hingeht, ist ja schon eine Leistung!

Sie hören aber auch als Uni-Professorin jungen Musikern zu. Was ist da das Wichtigste?

Fernandes: Dass man korrekt spielt oder musikalisch spielt, sind zwei unterschiedliche Dinge. Meine Aufgabe ist, aus Noten Töne zu hören. Und ich sag’ immer: Man hat zwei Ohren – eines für sich, eines für andere.

Als Pädagogin waren Sie schon auf der ganzen Welt, leiten Projekte in Südindien und kuratieren Konzertreihen in Wien. Klingt Beethoven in Goa anders als in Baden?

Fernandes: Wir waren sogar in Südamerika, da wurden dann Drogen und Waffen gegen Flöten getauscht… Und Klima heißt ja viel – das hört man dann auch!

Als Pianistin waren Sie aber auch in Pottendorf, in Kottingbrunn, in Drosendorf und Rohrau. Wie wichtig ist der Ort, für die Musik?

Fernandes: Es ist mir egal, wo ich bin – das ist für mich die Carnegie Hall! Ich hab’ ein neues Projekt, „Concert for two“, da komm ich zu den Leuten, wir lassen uns testen, wir kochen, ich spiele. Das hab ich schon siebenmal gemacht, von Zürich bis Maria Enzersdorf. Das ist etwas Besonderes, und das tut so gut!