Max Mayerhofer: "Wollen ein spontanes Volksfest sein". Max Mayerhofer, Schauspieler & Lastkrafttheater-Gründer, sprach mit Michaela Fleck über Küsse, Masken und Nestroy.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:24)
Max Mayerhofer
Similache

NÖN: Diesen Sonntag feiern Sie (endlich) NÖ-Premiere in Reichenau. Wie wird die?

Max Mayerhofer: Wir werden vom Publikum einen Meter Mindestabstand halten. Und diesmal wird auch nicht geküsst [lacht]! Die Premiere wäre ja am 30. April gewesen. So lange haben wir noch nie geprobt!

„Wirbel um die Wirtin“ klingt ja nach einer Menge Turbulenzen. Wie laut wird das? Wie wild wird das? Und was hat Goldoni, dass man ihn heute noch immer spielen muss?

Mayerhofer: Es wird natürlich wild und laut. Und es passt gerade jetzt perfekt, denn „Mirandolina“ war die erste Commedia dell’arte, die ohne Masken gespielt wurde. Es ist an sich ein gesellschaftskritisches Stück, das mit den Privilegien des Adels aufräumt.

Gespielt wird ja bei Ihnen auf dem Lkw, genauer: am Anhänger. Der wird vor der Vorstellung aufgeklappt, nachher wieder zugeklappt und an den nächsten Spielort gefahren. Was macht das mit dem Spielen? Was macht das mit dem Zuschauen?

Mayerhofer: Wir wollen ein spontanes Volksfest sein, zu dem jeder eingeladen ist. Und es ist ein Schauspiel, das ums Publikum buhlen muss. Unser Ziel ist jedes Jahr, dass wir am Ende mehr Zuschauer haben als am Anfang. Das gelingt uns auch fast immer. Jeder Platz und jedes Publikum ist anders. Also ist bei uns jeden Abend Premiere!

Dreizehnmal steht der „Wirbel um die Wirtin“ im Sommer allein in NÖ auf dem Spielplan. Von Reichenau bis Retz. Von Kirchen- und Stadtplätzen über Schulen und Schlösser bis zur Gärtnerei oder zur Arena. Immer im Freien. Und immer gratis. Wie rechnet sich das?

Mayerhofer: Dank unserer Sponsoren, dem Land und Unternehmer Karl Gruber geht sich das aus. Die Schauspieler sind bei uns angestellt. Und am Schluss kann man was spenden. Aber wir haben schon ein großes Glück, dass wir jetzt spielen können!

Nestroy gab’s schon, im Lastkrafttheater, Schönherr, Shakespeare, Tschechow. Was oder wer kommt als nächstes?

Mayerhofer: Ich spiel’ wahnsinnig gern Nestroy, der hat seine Stücke auch für fahrendes Volk geschrieben. Aber im Herbst gibt’s erstmal Yasmina Reza im Gewölbe von Schloss Artstetten. Und dann wünsch’ ich mir, dass alle Theater wieder aufsperren!

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