Michael Lakner: "Leicht hab ich’s mir noch nie gemacht". Michael Lakner, Regisseur, Dramaturg & Theaterdirektor, sprach mit Michaela Fleck über Helden, Hochzeiten und Hunger auf Theater.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 29. Juli 2020 (03:11)
Michael Lakner
Christian Husar

NÖN: Diesen Freitag feiern Sie in der Badener Sommerarena Premiere – die erste und einzige im heurigen Sommer. Wie laufen die Proben?

Michael Lakner: Wir sind noch mittendrin. Aber ich bin stolz, dass wir das durchziehen! Es war nicht einfach, Operette lebt ja davon, dass man sich berührt und küsst und rauft. Und jetzt mussten bei den Proben auf der Bühne alle Masken tragen – die sind für mich alle Heldinnen und Helden!

„Die blaue Mazur“ ist zwar von Franz Léhar. Zu sehen ist sie trotzdem nicht oft – und schon gar nicht so, wie Sie sie jetzt zeigen.

Lakner: Sie wurde auch nie in Baden gespielt. Dabei ist sie so ein Juwel! Und heuer ist halt der 150. Geburtstag von Léhar und der 100. der „Mazur“. Als wir entschieden haben, dass wir spielen, hab ich sie sofort umgeschrieben, das wär auch bei keinem anderen Stück gegangen. Ich hab die Geschichte in ein jüdisches Ambiente versetzt, wir haben einen Conférencier, Oliver Baier, der gleich mehrere Rollen spielt, wir haben vier großartige Hauptdarsteller. Und heute muss ja alles sehr schnell und sehr kurzweilig sein. Man kann das sehr gut als Kammerstück erzählen, das ist fast lustiger!

Chor und Ballett gibt’s beides nicht. Dafür gibt’s ein gar nicht so kleines Orchester. Wie funktioniert das – Operette mit Abstand?

Lakner: Wir haben 19 Musikerinnen und Musiker, das ist eh sehr groß, auch die Logen im Parterre sind befüllt mit Orchester. Und auf der Bühne haben wir 13 Darstellerinnen und Darsteller, davon zwei Paare. Nur die jüdische Hochzeit, die müssen wir uns vorstellen…

Zwei Ihrer für heuer geplanten Sommerproduktionen haben Sie schon zuvor abgesagt bzw. gleich auf übernächstes Jahr verschoben. Da hätten Sie sich’s bei der dritten auch leichter machen können…

Lakner: Leicht hab ich’s mir noch nie gemacht [lacht]! Wir bringen jetzt nur maximal 274 Leute in den Zuschauerraum, das ist ein Drittel. Und normalerweise wär das ja ein Desaster. Aber jetzt können wir sagen: Ausverkauft [lacht wieder]! Ich hoffe, dass wir da ein Zeichen setzen. Und ich finde, dass auch Kultur systemrelevant ist! Es ist ein großer Aufwand, aber es steht dafür. Die Leute sind hungrig auf Theater!

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