Othmar Schmiderer über Kinoalltag, Nähe & Langsamkeit. Othmar Schmiderer, Filmemacher aus Grafenwörth, sprach mit Michaela Fleck über Kinoalltag, Familienproduktionen, die Nähe und die Langsamkeit

Von NÖN Redaktion und Michaela Fleck. Erstellt am 02. April 2019 (01:46)
Schmiderer
Othmar Schmiderer, Filme macher aus Grafenwörth, sprach mit Michaela Fleck über Kinoalltag, Familienproduktionen, die Nähe und die Langsamkeit. Schmiderer

NÖN: Ihr jüngster Dokumentarfilm kommt gerade ins Kino – ab 3. April in St. Pölten, dann in Zwettl und Krems. Was gibt’s da zu sehen?

Othmar Schmiderer: Die außergewöhnliche Arbeit von zwei Menschen auf einem Bauernhof im Waldviertel. Es ist ein Gegenpol zu den Mechanismen der Agrarindustrie. Ich finde auch, dass es ein politischer Film ist. Es ist aber auch ein sinnliches Erlebnis – und insofern tatsächlich ein Film fürs Kino.

In Leipzig lief „Die Tage wie das Jahr“ im Wettbewerb, bei Österreichs Filmpreis steht er sicher nächstes Jahr auf der Nominiertenliste. Und in Graz bei der Diagonale gab es gleich den Preis für die „Beste Künstlerische Montage“. Macht es das leichter?

Schmiderer: Das hebt natürlich die Aufmerksamkeit. Im normalen Kinoalltag wird’s dann schwieriger. Mir ist viel wichtiger, was das Publikum sagt. Es gab eine wunderbare Vorpremiere in Horn – das war toll!

Montiert, also: geschnitten hat Ihren Film Arthur Summereder, der Sohn Ihrer Partnerin. Angela Summereder zeichnet auch für Ton und Konzept verantwortlich. Insofern ist das ja eigentlich eine Familienproduktion, oder?

Schmiderer: In diesem Fall kann man das sagen. Wir sind ein sehr kleines Team, das ist das Um und Auf, gerade beim Dokumentarfilm. Und dass man sehr viel Zeit hat. Wir haben ein Jahr gedreht und noch einmal ein Dreivierteljahr geschnitten.

Das Ergebnis dauert 86 Minuten. Für ein ganzes Arbeitsjahr, durch das Sie Ihre Protagonisten Elfriede und Gottfried Neuwirth begleiten, ist das dann doch wieder recht kurz.

Schmiderer: Er hätte auch 120 Minuten haben können. Jetzt hat er normale Kinolänge. Aber er lässt einem Zeit. Das ist auch die Qualität des Films. Es ist ein langsamer Film, aber er hat einen Fluss. Für den Betrachter ist das eine gewisse Herausforderung.

Der Drehort Ihres Filmes, Wanzenau, wo schon Karl Markovics in den 90ern die „Drei Herren“ drehte, liegt fast vor Ihrer Haustür. Kommt er einem deshalb auch so nahe?

Schmiderer: Der Nähe entkommt man nicht!

Was kommt als Nächstes?

Schmiderer: Wir hätten ein sehr schönes und hochaktuelles Thema gehabt, rund um das Einfamilienhaus. Aber da sind wir schon zweimal an der Finanzierung gescheitert …