Otto Lechner: „lch bin immer eine Art Dorfmusikant gewesen“

Erstellt am 20. Mai 2022 | 05:11
Lesezeit: 3 Min
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Akkordeonist, Pianist und Organist Otto Lechner lädt von 19. bis 22. Mai nach Horn.
Foto: KiT
Festival-Initiator und Musiker Otto Lechner sprach mit Gina Christof über die Kraft und Macht von Musik.
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NÖN: Diesen Donnerstag startet Ihr neues Musik-Festival „invention and memories“ im Kunsthaus Horn. Was gibt’s da zu erleben?

Otto Lechner: In den vier Tagen im Kunsthaus Horn wird es Altes und Neues zu hören geben: viel Jazz und Improvisation, sehr eigenwillige Songs, Erinnerungen an Ray Charles und Leonard Cohen; schließlich experimentelle Kirchenmusik mit philosophisch-spirituellen Texten aus dem Spätmittelalter. Es gibt also für jeden auch etwas, das ihm nicht gefällt, zum Schreien oder zum Stillsein.

Das Festival knüpft an Ihr früheres Event „Kunst in der Kartause“ an, das von 2017 bis 2019 in der Burgruine Aggsbach zu sehen war. Warum der neue Ort?

Lechner: Wie die meisten wissen dürften, bin ich nicht nur immer wieder begabt, sondern auch blind. Ich fliege nicht mehr so gerne mit dem Flugzeug; eine Tournee ist für mich in erster Linie anstrengend. Wenn mich also jemand aus meiner Gegend fragt, ob ich hier ein Festival gestalten will, so freut es mich auch aus praktischen Gründen. Die Leute im Tonkeller Horn sind nicht nur gut, sie trauen sich auch was. Da kann man nicht Nein sagen.

Sie sind am Akkordeon, am Klavier und an der Orgel zu erleben …

Lechner: Genau. Mit dem Akkordeon bin ich aufgewachsen, das Klavier hat mir den Respekt für gute Musik gelehrt und die Orgel fürchte ich noch immer. Ich spiele die Orgel auch nur, wenn ich glaube, dass ich eine spezielle Idee nur selber umsetzen kann. So werde ich die Orgel der Horner Minoritenkirche nur zur Begleitung meines alten marokkanischen Freundes und Sängers Kadero spielen.

Was bedeutet Musik für Sie?

Lechner: Ich stamme aus einem kleinen Dorf und habe die integrative Kraft der Musik von klein auf erlebt. Ein Festival – wie dieses in Horn – bietet mir die Möglichkeit, mein vielfältiges Verständnis von Musik zu präsentieren. Ich bin immer eine Art Dorfmusikant gewesen. In dieser Zeit, in der sich doch viele „im Stich gelassen“ fühlen, ist die Musik außerdem nicht nur ein Trost, sondern sie kann uns auch zeigen, wie nah sich scheinbar schwer zu vereinbarende Standpunkte oder Stile kommen können – und sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Ich habe lange geglaubt, dass man mit Musik die Welt besser machen könnte. Jetzt will ich ein paar Leuten eine Freude machen.

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