Paul Gessl: "Bin kein Fan von krampfhaften Jubiläen". Paul Gessl, Geschäftsführer der NÖKU, sprach mit Michaela Fleck über den Sinn, den Applaus, Startrampen und Jubiläen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 01. April 2020 (05:40)
Paul Gessl, Geschäftsführer der NÖKU
NOEN, Erich Marschik

NÖN: Am 1. April hätte Niederösterreichs größte Kulturholding gefeiert, nämlich ihren 20. Geburtstag. Wird der jetzt verschoben?
Gessl: Wir wollen um ein Jahr verschieben. Und im März 2021 dann ein Fachsymposium abhalten – aber nicht retrospektiv, sondern perspektiv.

Das Fachsymposium hätte es schon heuer geben sollen, und zwar unter dem Motto: „Was braucht die Kunst?“ Was braucht sie denn?
Die klassische Frage nach dem Sinn muss jetzt eine neue, größere Bedeutung bekommen. Nicht Größe oder Quantität stehen im Mittelpunkt, sondern die inhaltliche Dimension. Ich bin kein Fan von krampfhaften Jubiläen. Ich habe den Zugang: Man muss immer den Anspruch haben, in die Zukunft schauen, künstlerisch und gesellschaftlich.

Ist sie jetzt in Gefahr, die Kunst? Und ist die NÖKU in Gefahr?
Ich seh’ keine unmittelbare Existenzgefahr. Wir sind als Gruppe gut aufgestellt. Und wir werden auch diese Krise schaffen! Aber Streaming hin oder her: Natürlich lebt die Kultur auch von der Unmittelbarkeit, vom Miteinander, von der Energie, vom Applaus.

In der Holding wohnt die Kultur ja längst in vielen Häusern. Wie viele sind es heute? Und wie viele waren es vor 20 Jahren?
35 Kulturmarken und Kulturinstitutionen sind es heute. Begonnen habe ich im März 2000 mit vier: dem Festspielhaus St. Pölten, der Bühne im Hof, dem Klangturm und der Kunsthalle Krems. Und begonnen habe ich mit 56 Mitarbeitern, jetzt sind es weit über 1.000.

Apropos: Bühne im Hof. Die hätte genau am 1. April auch Geburtstag gefeiert, aber schon ihren dreißigsten. War die damals schon eine Vorreiterin?
Die Bühne im Hof in St. Pölten war für die Landeshauptstadt und für die Kulturarbeit im Land ein ganz wichtiger Genius loci. Und für die NÖKU war sie auch eine Startrampe.

Wie geht es jetzt weiter?
Wir haben in der NÖKU bis 14. April alles abgesagt. Dann werden wir weitersehen. In jedem Fall brauchen wir auch dafür eine Rechtsgrundlage.