Krems

Erstellt am 23. Mai 2018, 02:42

von Thomas Jorda

Petra Hinterholzer im NÖN-Gespräch. Petra Hinterholzer, neue Geschäftsführerin des Ernst Krenek Forums in Krems, im Gespräch mit Thomas Jorda.

Petra Hinterholzer  |  Wolfgang Lienbacher

NÖN: Was macht die Qualität, den Reiz, die Bedeutung von Ernst Kreneks Musik aus?
Petra Hinterholzer: Für mich ist Ernst Krenek, der von 1900 bis 1991 gelebt hat, ein Komponist, der eine enorme Bandbreite an Stilen, Technik und Entwicklung anbietet und sich dadurch vielfältig und frei ausdrücken kann. Dass er sich nicht von einer starren Tonsprache einengen hat lassen, macht den besonderen Reiz seiner Musik aus. Er hat die jeweilige „Zeitqualität“ in sein Denken und seine Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen in Kultur und Gesellschaft – also nicht nur in der Musik – in seine kompositorischen Prozesse integriert. Und das macht ihn als Persönlichkeit so spannend!

Sein Werk steht derzeit nicht so recht im Fokus der musikalischen Aufmerksamkeit. Woran liegt das eigentlich?
Hinterholzer: Seine Vielfältigkeit macht es schwierig, ihn einzuordnen. Es besteht immer eine sehr große Chance, von Ernst Krenek überrascht und gefordert zu werden.

Kann das Ernst Krenek Forum da überhaupt gegensteuern? Und wie?
Hinterholzer: Ja! Und zwar, indem wir nicht nur den Komponisten, sondern auch den Literaten, Philosophen und Weltbürger Ernst Krenek in den Fokus rücken. Wir arbeiten gerade an einem Konzept, das wir dann zum Zehnjahresjubiläum des Ernst Krenek Forums am 13. Oktober 2018 vorstellen werden.

Erzählen Sie von Ihrer persönlichen Beziehung zur Musik von Ernst Krenek.
Hinterholzer: Ich komme eigentlich aus dem Mozart-Kosmos mit vielen Satelliten in andere musikalische Sphären. Ich bin nun dabei, meine ganz besondere Beziehung zu Kreneks Musik aufzubauen, indem ich in die Werke höre, eintauche und in mir wirken lasse. Eine schöne Aufgabe!

Gibt es ein Werk, das Sie besonders berührt?
Hinterholzer: Da ich selbst in einem Profichor singe und das meine Affinität für zeitgenössischen Musik geprägt hat, liegt mir sein Vokalwerk sehr nahe. Ich würde sagen: die „Lamentatio Jeremiae Prophetae“ und auch das schöne „In paradisum“. Hören Sie da doch einmal mal rein!

Die meisten, denken bei Ernst Krenek zuerst an seine Oper „Jonny spielt auf“. Zu Recht?
Hinterholzer: Warum nicht!

Und wer Krenek nicht kennt, was empfehlen Sie als Einstieg?
Hinterholzer: Großartig finde ich das „Reisebuch aus den österreichischen Alpen“. Ein guter Einstieg in seine Musik und auch in seine Art, mit Worten umzugehen!