Rafael Schuchter: Theater mitten im Wahlkampf. Rafael Schuchter, Bühnen- und Filmschauspieler, sprach mit Michaela Fleck über Futtertröge, Höhlenmalereien und Bösewichte.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 10. September 2019 (03:05)
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Rafael Schuchter

NÖN: Diesen Donnerstag feiern Sie im St. Pöltner Landestheater Premiere. Und zwar mit Schillers „Parasiten“. Geht’s da um Menschen? Systeme? Insekten?
Rafael Schuchter: Es geht um Menschen – wie immer im Theater. Es ist ein Stück genau zum richtigen Zeitpunkt, mitten im Wahlkampf. Es ist ein sehr politisches Stück.

So richtig sympathisch klingt ja weder der Titel des „Lustspiels“ noch die Hauptfigur, ein machthungriger Beamter. Was ist denn an dem lustig? Was ist an Ihrer Figur parasitär?
Schuchter: Ich hab’ ja nur zwei kleine Figuren, einen Diener und einen ehemaligen Bekannten von Selicour, der Hauptfigur. Aber jeder erhofft sich, irgendwas zu bekommen, jeder will auch an den Futtertrog. Der Witz besteht darin, dass sich die Figuren selbst entlarven. Und im Idealfall hoffen wir eh, dass einem dabei das Lachen im Hals stecken bleibt – die Ähnlichkeiten mit derzeitigen Politikern sind verblüffend!

Die erste Premiere in der neuen Saison ist auch Ihr Debüt am St. Pöltner Rathausplatz. Wie probt es sich da? Wie spielt es sich da? Und was hat ein Landestheater, was etwa ein Burgtheater, wo Sie immerhin schon fünf Jahre lang Ensemblemitglied waren, nicht hat?
Schuchter: Das ist mein Debüt – spät, aber doch [lacht]! Darüber freu’ ich mich sehr. Die Theaterarbeit hat das so an sich, dass man immer wieder bei Null anfängt. Und das gilt für St. Pölten wie fürs Burgtheater. Man beginnt auf der Probe zu suchen, im Dunkeln, man tastet sich wie durch eine Höhle, und dann werden immer mehr Höhlenmalereien sichtbar …

Sie haben aber auch schon bei den Salzburger Festspielen, in der Josefstadt, in Mörbisch oder bei Alexander Waechter auf der Rosenburg gespielt. Ist der Ort wichtig?
Schuchter: Absolut. Wenn man an speziellen Orten Theater spielt, kann das eine eigene Magie entwickeln – wie auf der Rosenburg.

Was kommt als Nächstes? Auf der Bühne? Vor der Kamera? Oder ganz woanders?
Schuchter: Ich hätt’ mich immer sehr für Bösewichte interessiert, wie Jago in „Othello“. Aber dazu schau’ ich wohl zu nett aus [lacht]! Kleist hab’ ich noch nie machen dürfen, das ist sozusagen die Königsdisziplin. Aber was ich mir wünsche, ist einfach, dass ich Arbeit hab’!  

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