Renate Bertlmann über Löwen, Urnen, Rosen und Pausen. Renate Bertlmann, 76, bildende Künstlerin mit Waldviertler Wurzeln, sprach mit Michaela Fleck über Löwen, Urnen, Rosen und Pausen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 21. Mai 2019 (01:13)
Beck
Renate Bertlmann

NÖN: Vor knapp zehn Tagen haben Sie in Venedig den Österreich-Pavillon der Biennale 2019 eröffnet. Wie war das?
Renate Bertlmann: Das war auch sehr emotional. Und ich bin wirklich sehr happy! Den Löwen haben wir dafür nicht bekommen, aber wir sind sehr gut bewertet worden. Der Pavillon ist genauso geworden, wie ich mir das vorgestellt habe. Und ich hatte so ein tolles Team, zu 90 Prozent Frauen – wie ich auch in Krems ein tolles Team habe.

Stichwort: Krems. Dort wird in der neuen Landesgalerie diesen Samstag Ihre nächste große Schau eröffnet. Wie wird die?
Die Ausstellung ist natürlich ein Kontrastprogramm zu Venedig, allein schon von den Gebäuden her. Die Landesgalerie ist ein brandneuer, herausfordernder Neubau, der ja keine musealen Bedingungen hat, mit zwei Riesen-Fenstern im Erdgeschoß und kaum Wänden zum Hängen und Stellen. Der wesentliche Unterschied ist auch, dass ich in Venedig eine Kuratorin hatte, die Schau in Krems aber von mir selbst kuratiert wurde.

Was haben Sie dafür ausgesucht?
Ich habe die Chance ergriffen, eine zentrale Arbeit aus meinem Utopie-Zyklus zu zeigen. Die ist am schwierigsten zu verstehen, weil sie sehr still ist. Die Arbeit ist ein Urnenhain, sieben Meter lang, mit 126 Urnennischen, von denen 70 gefüllt sind mit geheimen Botschaften. Das gibt dem Ganzen auch eine geheimnisvolle Ausstrahlung. Ich zeige aber auch einen zärtlichen Christus, die jüngste Arbeit, aus 2018.

Neben goldenen Eiern oder geflügelten Herzen gibt es bei Ihnen auch weiße Grabsteine. Sakral ist Ihre Kunst aber nicht, oder doch?
Ich habe in sakralen Räumen ausgestellt, auch in Niederösterreich. Hier sammelt man mich auch schon seit 30 Jahren. Im Sinne des Wortes ‚religio‘ bin ich schon religiös. Für mich war Meditation und Demonstration nie ein Gegensatz. Aber bei meinen Werken bleiben viele an der goldenen Oberfläche hängen …

Was kommt nach Venedig und nach Krems?
Einige Monate Pause! Ich muss mich mal ausschlafen! Die Rosen und die Schrift aus Venedig kommen ab März ins Belvedere. Und ich hab’ so eine lange Liste an neuen Werken, die ich machen will …