Richard Pils über Falten, Noten & Fabriken. Richard Pils, Wahl-Waldviertler und seit 30 Jahren Verleger, sprach mit Michaela Fleck über Falten, Noten, Fabriken, Familiengeschichten

Von Michaela Fleck. Erstellt am 07. Mai 2019 (01:45)
Kölbl
Richard Pils.

NÖN: Diesen Freitag wird im Kremser Literaturhaus gefeiert: 30 Jahre Bibliothek der Provinz. Gibt’s da Worte? Lieder? Torten?

Richard Pils: Der Verlag und die Autoren werden gefeiert. Der Verleger hat ja nur eine dienende Funktion. Aber: Anstoßen darf man schon!

Zum Fest gibt’s jedenfalls frische Mohnzelten. Und eine feine Flötistin. Wie viel Musik steckt denn in Ihren Büchern? Und wie viel Mohn (also: Waldviertel)?

Pils: Das Ganze ist ja ein Doppelpack. Im Verlag Bibliothek der Provinz gibt es Noten, es gibt Bücher zur Musik, von Gulda bis Wilfried. Und natürlich gibt es auch zwei CDs von Flötistin Cordula Bösze, mit der ich schon lange befreundet bin.

Angemeldet haben Sie Ihren Verlag im August 1989, verlegt haben Sie als Erstes ein Sagenbuch aus dem Mühlviertel. Seither sind rund 1.800 Bücher herausgekommen. Was macht die aus?

Pils: Die Vielfalt. Die Erhaltung. Und die Pflege. Mein Anliegen ist es, die Schätze, die in den Falten der Region zu finden sind, wahrzunehmen. Das ist auch mein Anliegen bei der Eisenberger-Fabrik, die ich gekauft habe und in der ich jetzt meine Bücher lagere und große Ausstellungen mache, wie von Wolfgang Denk, von dem ich gerade eine Monografie herausgegeben habe. Genauso ist es bei der Burg Raabs.

In der Fabrik in Gmünd, gleich neben der Grenze, wurden einst Seide und Baumwolle gewebt. Ist das Bücher-Machen auch eine Weberei? Ein Handwerk? Ein schöpferischer Akt?

Pils: Ja. Vor der Digitalisierung ist ja auch mit Lochkarten gewebt worden. Das gehört zur Industriellen Revolution. Wie die Sprache, die so differenziert ist und die jetzt so simplifiziert und reduziert wird.

Unter Ihren aktuellen Neuerscheinungen finden sich auch ein Geschichtsbuch zu Tschechien oder ein Restaurationsbuch zu Wiener Neustadt. Was kommt als Nächstes?

Pils: Eine weiteres Buch von Mara Kraus. Das ist aber nur eines von über 30 Projekten, die im Frühjahr herauskommen. Was ich auch angehe, ist ein Buch darüber, wo ich lebe, Großwolfgers. Das muss noch warten. Bevor man geht, muss man aufräumen – damit fange ich jetzt an. Aber das heißt nicht aufhören …

 

www.bibliothekderprovinz.at