Simone Hirth: "Bin auch mehr ein Einzelkämpfer". Simone Hirth, Autorin & Wahl- Kirchstettnerin, sprach mit Michaela Fleck über Einzelkämpfer, Nebenjobs und Aussteigerinnen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 06. Dezember 2016 (01:21)
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NÖN: Gerade waren Sie mit Ihrem jüngsten Literaturprojekt im Kremser Literaturhaus zu Gast. Was gab’s da zu hören? Oder zu lesen?
Simone Hirth: Es gab es etwas zu hören und zu lesen. Und zwar von acht Autorinnen und Autoren, die sich bereits im Mai für ein Wochenende in Krems getroffen haben. Jeder hat sieben Texte mitgebracht, ausgetauscht und auf jeden der anderen sieben Texte eine Antwort geschrieben. Dazu ist jetzt ein kleines Buch herausgekommen.

Der Titel des Projekts, „Netzwerk:Poesie“, klingt ja mehr nach Internet als nach Hardcover. Und mehr nach Chatten als nach Dichten.
Ich muss zugeben, ich war auch skeptisch. Ich bin auch mehr ein Einzelkämpfer im stillen Kämmerlein. Aber es hat mir sehr gutgetan. In Wien hätte das nicht funktioniert. Aber in Krems ist jeder auch mal im Weinberg verschwunden ... [lacht]

Auch Ihr erster Roman ist gerade herausgekommen: „Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft“. Geht’s da um Musik? Um Sozialkritik? Um einen leisen Rückzug?
Es geht nicht um Flüchtlinge. Es ist vorrangig die Geschichte eines Rückzugs oder eines Ausstiegs. Und das ist gar nicht so weit. Ich hab’ selbst tatsächlich einmal fast alles verkauft und in einem Bauwagen gelebt. Lied heißt es deshalb, weil die Protagonistin immer wieder singt, um sich Mut zu machen.

Das mit 12.000 Euro dotierte Hans-Weigel-Literaturstipendium, das Sie vergangenen November vom Land NÖ zugesprochen bekamen, ist gerade ausgelaufen. Wie wichtig war das?
Es war sehr wichtig. Ich hatte ja immer diverse Nebenjobs, die hab’ ich dann alle gecancelt und hab’ die Zeit genützt, um diesen Roman fertigzumachen. Und den nächsten hab’ ich auch gleich angefangen!

Worüber wollen Sie unbedingt noch schreiben? Und worüber würden Sie nie schreiben?
Einen Flüchtlingsroman zu schreiben, würde ich mir nicht anmaßen. Ich könnte mich auch nicht drei Monate hinsetzen und recherchieren. Das Aussteigerthema ist aber etwas, was mich auch die nächsten Jahre noch interessiert. Und was mir immer noch vorschwebt, sind Hörspiele und vielleicht auch Theater – vielleicht nach dem nächsten Buch!

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