Susanne Beseler über Steinhaufen und Halbwertszeiten. Susanne Beseler, akademische Restauratorin & Projektleiterin, sprach mit Michaela Fleck über Steinhaufen, Parkmöbel und Halbwertszeiten.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. Mai 2018 (01:54)
S. Freiler
Susanne Beseler

NÖN: Gerade wurde die Große Kaskade im Barockpark von Schloss Hof wiedereröffnet. Wie sah die vorher aus? Und wie sieht die jetzt aus?
Susanne Beseler: Als wir mit der Planung begonnen haben, gab es die Große Kaskade nicht. Die ist im 19. Jahrhundert abgetragen worden, danach hat man aus den Fragmenten eine Stützmauer gebaut. Als wir gekommen sind, war dort quasi ein bauliches Fragment und ein großer Steinhaufen.

Wasser gibt’s ja viel, in Prinz Eugens Landschloss. Im Neptunbrunnen, im Spiegelbecken … Was macht die Kaskade so besonders?
Beseler: Die Dimension. Wir haben 650 Quadratmeter Beckenfläche, eine Wasserkaskade über vier Stufen und vier Meter Höhe. Und wir haben einen großartigen, bildhauerischen Schmuck. Ein barocker Park mit seiner ganzen „Möblierung“ ist ja ein Gesamtkunstwerk.

Eineinhalb Jahre Planung, dann fast zwei Jahre Ausführung, vier Millionen Euro Investitionen – das klingt nach einem Mammutprojekt.
Beseler: Einen Brunnen zu bauen ist schon keine alltägliche Aufgabe. Und eine verlorene Anlage, für die es viele Hinweise gibt, aber keine verbindlichen Pläne oder gar ein Foto – das war eine absolut ungewöhnliche Aufgabe!

Sie waren neben Architekt Georg Töpfer Generalplanerin. Was hat ein Canaletto damit zu tun? Wozu braucht es ein 3D-Modell? Und was genau macht eine Restauratorin?
Beseler: Der Canaletto war die einzige bildliche Darstellung. Das von uns erarbeitete 3D-Modell war eine große Hilfe, auch um einen Sinn für die Proportionen zu bekommen. Wir haben rund 600 Werksteine und Relieffragmente, die noch erhalten waren, einzeln aufgenommen, vermessen, sortiert, nummeriert und in den Plan eingefügt. Dabei spielte das Auge, das wichtigste Werkzeug eines Restaurators, eine große Rolle. Letztlich war es ein riesiger interdisziplinärer Prozess. Ich hab’ gesagt: C. S. I. Kaskade!

Was gehört unter (Nieder-)Österreichs Prachtbauten noch restauriert?
Beseler: Wir können die Alterung eines Objektes nicht aufhalten. Wir haben alle unsere Halbwertszeit! Wir können nur die Geschwindigkeit aus dem Prozess rausnehmen.

In Schloss Hof kommt als Nächstes die siebente Terrasse. Was kommt bei Ihnen als Nächstes?
Beseler: Ich bereite gerade die Restaurierung des großen Turmes am Wiener Rathaus vor. Und im Stift Klosterneuburg, wo ich die Generalsanierung begleiten durfte, werden jetzt die Türme der Stiftskirche angeschaut.


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