Volker Schmidt im Gespräch mit der NÖN. Volker Schmidt, Regisseur, Autor & Klosterneuburger, sprach mit Michaela Fleck über Rhythmus, Widersprüche und Andersartigkeiten.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 16. Januar 2018 (00:25)
Volker Schmidt
Carola Schmidt

NÖN: Diesen Freitag feiern Sie mit der jüngsten Jugendtheaterproduktion des St. Pöltner Landestheaters Premiere in der Bühne im Hof. Worum geht’s denn da?

Volker Schmidt: Es geht um den Felix, der nach einem Unfall in ein Koma fällt, nach neun, fast zehn Monaten wieder aufwacht und sich an nichts erinnert.

Der Titel „Anders“ klingt ja mehr nach Flüchtlingswelle als nach Unfallkoma. Wie viel Tragödie verträgt denn ein Bühnenstück? Und wie viel Realität braucht es?

Schmidt: Das Reale und das Tragische sind ja kein Widerspruch. Und wir wollen die Geschichte ja auch mit Humor erzählen. Aber der Felix verzweifelt auch immer mehr daran, dass er mit seiner Umgebung nicht mehr umgehen kann – und sie nicht mit ihm. Darum nennt er sich auch „Anders“.

Schuld und Sühne, Vergessen und Erinnern – das könnte auch von Tolstoi oder Kafka sein.

Schmidt: Von der Sprache hat’s jetzt nicht viel mit Kafka zu tun. Aber Schuld spielt eine Rolle. Es geht auch ganz viel um Identität. Bei uns erzählen alle und spielen alle. Und der Rahmen ist die Band, die wir auf der Bühne haben.

Die Musik dazu stammt von einem Ihrer Darsteller, Luka Vlatkovic. Und die (männliche) Hauptrolle spielt eine junge Schauspielerin, Hanna Binder. Wie wichtig ist die Besetzung, wie wichtig ist der Ton fürs Theater?

Schmidt: Die Andersartigkeit wird dadurch, dass unser Felix ein Mädchen ist, noch verstärkt. Und Musik ist für mich wahnsinnig wichtig, weil sie einen Rhythmus vorgibt.

Sie haben schon in Wien, Berlin, Moskau und in Bhutan Regie geführt. Wo – und was – wollen Sie unbedingt noch inszenieren?

Schmidt: Ich hab’ noch nie Tschechow gemacht. Und ich würd’ gern mal Musik schreiben – und das Bühnenbild machen!