Diözesanmuseum: Was Reliquien uns heute sagen. Im Mittelpunkt der ersten Ausstellung im neuen Museum am Dom St. Pölten stehen die Überreste Heiliger.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 07. April 2021 (02:18)
Museumsdirektorin Barbara Taubinger im Museum am Dom St. Pölten vor den Reliquien des Heiligen Valentin.
Franz Gleiß, Franz Gleiß

Österreichs ältestes Kirchenmuseum erstrahlt in neuem Glanz – und öffnet nach umfassender Neugestaltung am 24. April wieder die Tore. Nach außen sichtbare Änderungen sind der Name – aus dem St. Pöltner Diözesanmuseum wurde das Museum am Dom St. Pölten – sowie der neue barrierefreie Zugang über den Domplatz.

Im Inneren wurde mit viel Feingefühl in eine neue Präsentation der Räume investiert, wie ein Lokalaugenschein der NÖN zeigt.

Erstmals in einem Museum zu sehen: die Ganzkörper-Reliquie des Heiligen Tiburtius (180 bis 230).
NOEN, Franz Gleiß

Die Stifts-Bibliothek wirkt aufgeräumter, die Deckenfresken von Daniel Gran und Paul Troger und Bildhauerarbeiten von Peter Widerin kommen durch ein neues Beleuchtungskonzept prächtig zur Geltung, und die Räume selbst erscheinen durch die Reduktion der Ausstellungs-Architektur großzügiger. Noch ausständig ist die Neukonzeption der Dauersammlung. Sie soll im Laufe des Jahres erfolgen.

Den neuen didaktischen Zugang erkennt man aber bereits in der ersten Jahresausstellung „Himmlische Seelen. Knöcherne Juwelen“. Auch hier ist weniger mehr – die Exponate sollen wirken können, erklärt Museumsdirektorin Barbara Taubinger die Idee. Im Mittelpunkt der Schau stehen Reliquien.

„Vielen erscheint die Verehrung knöcherner Überreste von Heiligen heute als leerer und verschwenderischer Prunk oder unverständliche Anhäufung von Knochen und Todesanspielungen. Sie verkörpert aber die christliche Hoffnung auf das Heil Gottes und das ewige Leben nach dem Tod wie kaum etwas anderes“, betont Taubinger. Gerade in der einzigen Landeshauptstadt Österreichs, die ihren Namen von einem Heiligen ableitet, sei die Beschäftigung mit diesem Thema eigentlich naheliegend.

In der Ausstellung zu sehen sein werden viele Exponate, die noch nie in einem Museum zu sehen waren. Beispielsweise die Ganzkörper-Reliquie des Heiligen Tiburtius (180 bis 230) sowie Gebeine und Schädel des Heiligen Valentin.

Zu sehen sein werden aber auch eine Barbara-Monstranz aus dem 18. Jahrhundert, ein barocker Reliquienschrein der Heiligen Felicitas sowie ein Leopold-Reliquiar mit einem Stück des Gewandes Leopolds sowie einem Fragment des Holunderstrauchs, an dem der Legende nach der Schleier seiner Gattin Agnes hängen blieb, was die Gründung Klosterneuburgs zur Folge hatte.

„Reliquien sind auch heute relevant“

„Reliquien sind nicht deshalb kostbar, weil sie materiell so kostbar sind. Sie sind kostbar, weil sie über Jahrhunderte hinweg als Brücken zwischen den Gläubigen und Gott gewirkt haben“, erklärt Taubinger.

Gerade im Mittelalter seien sie so auch zu Symbolen weltlicher Macht und Besitzansprüche geworden. Doch was bedeuten Reliquien in unserer Zeit? Auch diese Frage stellt sich die Ausstellung. In einem eigenen Raum sind dazu Arbeiten der Schüler des Wienerwald-Gymnasiums in Tullnerbach (Bezirk St. Pölten-Land) zu sehen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Herausgekommen sind kreative Ausstellungsbeiträge in Form von Skulpturen, Bildern und auch ein Videospiel. Überhaupt, so betont Taubinger, hätten Reliquien auch in unserer Zeit noch ihre Relevanz: „Sie sind ein Symbol dafür, dass auch Heilige Menschen wie du und ich waren. Menschen, die ihre Fehler hatten, die mit dem Glauben gerungen haben. Aber es waren Menschen, die sich diesen Herausforderungen gestellt haben, ihren Weg gegangen sind und ihre Prüfungen bestanden haben, und so für uns alle Vorbilder wurden.“