NÖ will Kaufangebot des Bundes abwarten. Bevor man seitens des Landes NÖ detailliert über eine Beteiligung am möglichen Ankauf der Essl-Sammlung reden könne, müsse ein verbindliches Kaufangebot des Bundes vorliegen, sagte Peter Kirchweger, Sprecher von Landeshauptmann Erwin Pröll.

Erstellt am 25. März 2014 (11:16)
NOEN, Essl Museum © 2000 by C. Richters
Zur Sanierung der angeschlagenen Baumarktkette bauMax hatte Firmengründer Karlheinz Essl der Republik Österreich am Montag seine 7.000 Werke umfassende Kunstsammlung zum Kauf angeboten. Eine Kaufverpflichtung des Bundes sei "Voraussetzung dafür, dass ein Runder Tisch überhaupt Sinn macht", so Kirchweger. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hatte dazu am Montag u.a. Vertreter des Landes NÖ eingeladen. Der Pröll-Sprecher merkte am Dienstag überdies an, dass auch die Rettung des Unternehmens "unter großen Fragezeichen" stehe.

Leitung des Leopold Museums würde Stiftung begrüßen

Die beiden Leiter des Wiener Leopold Museums, der interimistische Museologische Direktor Franz Smola und Managing Director Peter Weinhäupl, würden für die Sammlung Essl eine Stiftungs-Lösung nach Vorbild der Leopold Museum-Privatstiftung begrüßen. Daneben sei aber auch der Erhalt der sogenannten "Sammlung Leopold II" "gleichfalls ein Gebot der Stunde", hieß es.

"Zu Recht wird ein möglicher Erwerb der Sammlung Essl durch die öffentliche Hand mit der 1994 erfolgten Gründung der Leopold Museum-Privatstiftung in Verbindung gebracht. Die Gründung des Leopold Museum hat sich im Nachhinein als absolute Erfolgsstory herausgestellt, die von Rudolf Leopold in die Stiftung eingebrachten Kunstwerke sind mittlerweile um ein Vielfaches an Wert gestiegen, das Museum ist heute ein Tourismusmagnet für Wien", heißt es in einer übermittelten Stellungnahme des Direktoriums. "Es wäre zu wünschen, wenn auch die Sammlung Essl eine ähnliche Entwicklung nehmen könnte, immerhin handelt es sich bei der Sammlung Essl um eine der wichtigsten Sammlungen österreichischer und internationaler Gegenwartskunst."

"Auf Grund des Standorts des bereits bestehenden Museumsgebäudes, übrigens ein architektonisches Juwel sondergleichen, wäre bei der Erhaltung der Sammlung meiner Ansicht nach auch das Land Niederösterreich gefordert. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die sogenannte Sammlung Leopold II hinweisen, die sich heute im Besitz der Familie Leopold befindet und deren Erhalt gleichfalls ein Gebot der Stunde ist", so die Stellungnahme.

Ostermayer gegen Zerschlagung

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) will auf jeden Fall eine Zerschlagung der Kunstsammlung des Industriellen Karlheinz Essl verhindern. "Das wäre ein großes Problem für den Kunstmarkt", sagte er am Dienstag nach dem Ministerrat. Er verwies auf den von ihm initiierten Runden Tisch in der kommenden Woche, wo erst einmal Zahlen und Fakten außer Frage gestellt werden sollen.

Im Falle einer eventuellen Zerschlagung der Kunstsammlung sieht Ostermayer "viele Probleme" auf Galerien und Künstler zukommen. Allerdings betonte er auch, dass sich die Regierung derzeit in einer Situation der Budgeterstellung befindet, "wo es ganz eng ist". Für Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) stellt sich zudem die Frage, wann letztendlich Geld fließen muss. "Die Republik ist bereit, hier mitzuwirken", betonte er jedenfalls.

Wert der internationalen Werke deutlich höher

Der Preis der Werke ausländischer Künstler in der Sammlung Essl dürfte den der heimischen deutlich übersteigen. "Der Wert der internationalen Kunst übersteigt den Wert der österreichischen Kunst, obwohl diese zahlenmäßig viel stärker vertreten ist, bei weitem", unterstrich Kunstexperte Otto Hans Ressler gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal.

Zwei Drittel des gesamten Sammlungswerts dürften auf ausländische Werke zurückgehen - obgleich diese nur rund 2.000 der 7.000 Bestandsstücke ausmachten, so Ressler. Der einstige Geschäftsführer des Wiener Auktionshauses Im Kinsky hatte im Auftrag Essls ein Gutachten über den Wert der Sammlung erstellt.

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) meldete sich unterdessen am Dienstag bereits mit Ideen für eine Aufteilung der Sammlung zu Wort: "Ich kann mir vorstellen, dass man Teile davon in die Bundesmuseen gibt." Ein Teil könne am Standort Klosterneuburg verbleiben. "Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man mit dem Künstlerhaus spricht, ob man auch dort einen Ausstellungsort macht", so Mailath-Pokorny im Mittagsjournal.