Ein beeindruckendes Trio: Baden, Beethoven, Biedermeier. Immer noch schaudern wir vor Ehrfurcht, denken wir an so manchen Genius loci, die großen Geister besonderer Orte. In der Antike wurden diese Schutzgeister meist als Schlangen dargestellt. Heute sind sie in vielerlei Gestalten anzutreffen und werden vor allem vom Tourismus gehegt und gepflegt. Womit wir bei Beethoven in Baden wären.

Von Beate Jorda. Erstellt am 03. September 2020 (11:38)
Beethovenhaus Baden
Beethovenhaus Baden/Christoph Bertos (CityCopterCam)

Um zu verstehen, was den großen Meister nach Baden trieb, muss man einen Blick in die allerhöchste Geschichte werfen. Kaiser Franz, der letzte römisch-deutsche und erste österreichische Kaiser, hatte sich – als typischer Vertreter des Biedermeier – in ein zwar wohl dimensioniertes, aber recht unspektakuläres Haus auf dem Hauptplatz verliebt und es erworben. Von 1813 bis 1834, ein Jahr vor seinem Tod, verbrachte der Kaiser mitsamt Familie und Anhang jeden Sommer hier.

Mit entsprechenden gesellschaftlichen Auswirkungen. Was Rang und Namen, Adel und Vermögen hatte, versuchte, es der Kaiserlichen Hoheit gleichzutun und ebenfalls den Sommer in Baden zu verbringen. Das machte die Stadt zu einem gesellschaftlichen und künstlerischen Hotspot der Donaumonarchie. So ließ es sich auch Ludwig van Beethoven nicht nehmen, die Leidenschaft des Kaisers zu teilen und oft auf Sommerfrische zu kommen, insgesamt fünfzehn Mal. Einerseits des Badevergnügens wegen, das Gesundheit versprach und erotische Abenteuer, andererseits gesellschaftlicher Kontakte und landschaftlicher Impressionen wegen.

Das Ende dieser großen Zeit der Stadt musste Beethoven, der im Jahr 1827 starb, nicht miterleben. Am 9. August 1832 schoss ein Hauptmann aus Zorn über ein abgelehntes Pensionsansuchen auf den Kronprinzen. Ferdinand, als Kaiser mit dem wenig schmeichelhaften Beinamen „der Gütige“ versehen, war damals jeden Tag über die heute Marchetstraße genannte Berggasse ins Helenental gewandert; die ihm geltende Kugel richtete jedoch keinen Schaden an. Obwohl, einer wurde doch beschädigt, nämlich Badens Genius loci. Denn Ferdinand der Gütige, auch Gütinand der Fertige genannt, brach die Tradition kaiserlicher Sommeraufenthalte des Attentats wegen nach seines Vaters Tod abrupt ab. Und selbst sein Nachfolger, Kaiser Franz Joseph, schoss lieber in Bad Ischl Gämsen, als im Schwefelwasser zu plantschen...

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