Festpiele Reichenau: Mehr Publikum geht nicht. Renate und Peter Loidolt über ihre Festspiele in Reichenau, die heuer 30 Jahre alt werden. Das wird am 1. Juli zu Saisonbeginn groß gefeiert.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 26. Juni 2018 (02:36)
Dimo Dimov
Renate und Peter Loidolt: Ein ideales Gespann für ein Theater, das seit 30 Jahren höchste Qualität bietet, die Festspiele Reichenau.

NÖN: 30 Jahre gibt es die Festspiele Reichenau, also eine volle Generation.

Peter Loidolt: Am Anfang sind die Jungen gekommen, Karlheinz Hackl, Robert Meyer und die anderen vom Burgtheater. Jetzt gibt es eine neue Generation, bei den Schauspielern und beim Publikum.

Das Publikum wird jünger?

Renate Loidolt: Nein, es ist stets 50 plus. Aber es wachsen immer Besucher nach, die in das Einstiegsalter kommen, die unsere Programme begeistert mitmachen, die unsere Preise gerne bereit sind zu zahlen. Es kommen jedes Jahr neue Besucher dazu, aber ab einem gewissen Alter.

Peter Loidolt: Die Älteren bringen ihre Kinder mit, und die kommen dann mit den Jahren auf den Geschmack. Aber der Altersschnitt lag in den dreißig Jahren immer gleich.

Die Kundschaft wächst nach.

Renate Loidolt: Es kommen immer die Herrschaften, die das Geld, das Interesse und die Bildung für unser Angebot haben. Wir bieten ein klassisches Programm für Bildungsbürger. Man muss über Autoren und Stücke Bescheid wissen, um sie zu mögen und zu kommen.

Peter Loidolt: Das Publikum hat einen hohen Qualitätsanspruch. Das wirkt sich auf die Preise aus, wir sind ja nicht billig. Aber dafür gibt es erste Qualität. Da dürfen wir nie nachlassen!

Ingrid Bahrer-Fellner
Die Jubiläumssaison wird mit Texten Karl Farkas’ eröffnet: „Schau’n Sie sich das an“. Vor genau 30 Jahren stand Farkas auch auf demProgramm derallerersten Saison – mit Robert Meyer und Karlheinz Hackl.

War Reichenau immer schon für Bildungsbürger gedacht?

Renate Loidolt: Absolut. Wir hatten ein Ur-Erlebnis, 1987 im Burgtheater. Da haben wir die Posse „Umsonst“ gesehen und sind dabei draufgekommen, dass Johann Nestroy dieses Stück in Reichenau geschrieben hat. Und da haben wir spontan in der Pause den Plan gefasst, hier Theater zu spielen. Zum Einstieg, als erste Eigenproduktion, ein Karl-Farkas-Programm, aber mit Burgschauspielern. Das war völlig revolutionär. Ein Knalleffekt, auch in der Kritik. Ich werde nie vergessen, wie Karlheinz Hackl damals gesagt hat: Kabarett, können wir das überhaupt? Dann hat er sein Leben lang auch Kabarett gespielt.

Ein Jahr später gab’s schon Arthur Schnitzler.

Peter Loidolt: Ja, ich habe in einem Förderansuchen an ecoplus geschrieben, wir wollen Schnitzler machen, Heimito von Doderer, wir wollen Hochkultur. Am Anfang stand ein Fünfjahresplan, der sich tatsächlich so entwickelt hat. Darauf bin ich heute noch stolz.

Sie kamen aus der Wirtschaft und planten das Abenteuer Theater, das sich nicht viele zutrauen würden.

Peter Loidolt: Irgendwann wollte ich nicht mehr nur Container verkaufen, Schifffahrtslinien vertreten. Ich wollte mehr als Maler tätig sein, Kultur machen. Und wir haben entdeckt, welch wundervolle Gegend Reichenau ist.

Renate Loidolt: Peter hatte so gut verdient, dass wir Reserven hatten. Er war um die 35 zu dieser Zeit, ich um die 30, und wir haben gesagt, jetzt geht’s noch. Wir wollen versuchen, unser Leben noch einmal neu zu strukturieren. Wir haben es vernünftig geplant und sind in unseren persönlichen Ansprüchen einen Schritt zurückgegangen.

Wann war Sie sich sicher, dass es wirklich funktioniert?

Peter Loidolt: Wir waren uns von Anfang an sicher.

Renate Loidolt: Gerade weil wir aus der Wirtschaft kommen, haben wir das nie blauäugig als eine Kulturschwärmerei gesehen. Wir wussten, wir gründen einen Betrieb. Wir bestimmen das Programm und die Besetzung, wir sind verantwortlich für die Finanzierung, für alles. Und wir haben uns immer gegen feindliche Übernahmen gewehrt.

Reichenau verkauft 40.000 Karten im Jahr …

Renate Loidolt: Die sind uns schon zu wenig. Aber allzu sehr ist das Publikum, das wir brauchen, nicht vermehrbar. Deshalb haben wir uns nach dem Verlust der Spielstätte Südbahnhotel entschlossen, trotzdem nicht länger als fünf Wochen zu spielen, das aber konzentriert, täglich, am Vormittag, am Nachmittag und am Abend.

Wie funktioniert das ehemäßig? Gibt’s durch die gemeinsame Arbeit nicht Aggressionen?

Renate Loidolt: Wir sind einfach ein ideales Gespann und ein Liebespaar, seit wir uns kennen. Er war für mich der Erste, und ich war für ihn die Erste. Wir sind heuer 50 Jahre zusammen, verheiratet sind wir 40 Jahre. Und hatten immer die gleichen, gemeinsamen Interessen.

Und wie geht es weiter?

Peter Loidolt: Ich bin so alt wie Donald Trump. Alexander Van der Bellen ist älter als ich. Bei kreativen Jobs hört man nicht einfach auf. Wir haben eine Zeit lang sehr mit politischen Querelen zu kämpfen gehabt. Man hat uns mit Superkontrollen überzogen. Aber das ist vorbei. Jetzt gibt es für uns ein Open end. Wenn wir gesund bleiben. Künstler gibt es immer neue …