Christoph Campestrini: Zehn Jahre am Dirigentenpult im Kaiserhof

Erstellt am 29. Mai 2022 | 06:04
Lesezeit: 4 Min
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Von Kalifornien nach Klosterneuburg: Christoph Campestrini.
Foto: Werner Kmetitsch
International gefragter Maestro Christoph Campestrini hält Klosterneuburg die Treue.
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Sein zehnjähriges Jubiläum als musikalischer Leiter der operklosterneuburg begeht heuer Christoph Campestrini. Der 54-jährige gebürtige Linzer stand 2012 erstmals im Kaiserhof am Pult der Sinfonietta Baden (inzwischen Beethoven Philharmonie) bei Donizettis „Don Pasquale“. In diesem Jahr wird er Puccinis „La Boheme“ dirigieren, Probenstart ist am 31. Mai.

Gerade erst vor einer Woche feierte er mit einer Neuproduktion von Rossinis „Barbier von Sevilla“ einen großen Erfolg in der ausverkauften Sacramento Opera in Kalifornien.

Von Seoul und Mexiko bis Kairo und Sevilla

Internationalität begleitet Campestrinis Weg von Anfang an: Er studierte Dirigieren, Komposition, Philosophie und Sprachen an der Juilliard School in New York und an der Yale University. Seither führte ihn eine weltweite Konzerttätigkeit mit weitgespanntem Repertoire zu Orchestern wie dem London Symphony Orchestra, dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin, RSO Frankfurt, RSO Wien, Mozarteumorchester Salzburg, nach Toulouse, Sevilla, Prag, Budapest, Kairo, Seoul, Mexico und Taiwan.

Regelmäßig arbeitet er seit mehreren Jahren in den USA und Kanada, wo er unter anderem das Philadelphia Orchestra, Houston Symphony, Detroit Symphony, Indianapolis Symphony, Florida Orchestra, Vancouver Symphony, National Arts Centre Orchestra Ottawa und das Orchestre Symphonique de Quebec dirigierte. Zudem fungiert er als Principal Guest Conductor des International Late Summer Music Festival Dubrovnik.

„Das gemeinsame Erleben von Musik ist eine der stärksten Kommunikationsformen.“ christoph Campestrini Dirigent

Mit Stars wie Lang Lang war er auf Tournee, aber auch die Arbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern macht ihm Freude: „Das ist mir eine Herzensangelegenheit - mit jungen aufstrebenden Sängern zu arbeiten ist etwas sehr sehr Reizvolles“, erklärte Campestrini schon vor zehn Jahren in einem NÖN-Interview.

Als Operndirigent war er als Erster Kapellmeister am renommierten Aalto Musiktheater Essen in über 100 Aufführungen zu erleben. Weiters dirigierte Campestrini unter anderem am Teatro Regio Turin, Teatro Lirico Cagliari, Deutsche Oper am Rhein, Minnesota Opera, Opera de Montreal, Edmonton Opera und an der Sakai City Opera Osaka in Japan.

Im Jahr 2016 wurde Campestrini zum Kapellmeister der Wiener Hofmusikkapelle bestellt. In dieser Funktion führt er Programme sakraler Musik mit den Wiener Philharmonikern, den Wiener Sängerknaben und dem Herrenchor der Wiener Staatsoper auf.

Bedeutung der spirituellen Ebene in der Musik

Wer nun meint, damit wäre Campestrinis Zeitplan mehr als erschöpft, irrt gewaltig: Abseits des Dirigierens ist er auch als Komponist tätig (Liederzyklen, Symphonisches und Kammermusik) - und beschäftigt sich leidenschaftlich gern mit Literatur und Sprachen. Neben Deutsch spricht er Englisch, Italienisch, Französisch, Russisch und Spanisch.

Schließlich ist ihm auch die spirituelle Ebene von Musik ein großes Anliegen: „Das gemeinsame Erleben von Musik ist eine der stärksten Kommunikationsformen, es steht direkt mit unserem Unterbewusstsein in Verbindung. In einer inspirierten Aufführung verbindet sich die Energie von Ausführenden und Zuhörenden zu einem Gemeinschaftserlebnis, das über die Erfahrung jedes einzelnen weit hinausgeht“.

Und wer das positive Charisma von Maestro Campestrini kennt, weiß auch, dass ihm nicht zuletzt der Humor sehr wichtig ist. So stand er 2020 gemeinsam mit Tochter Isabella Campestrini (Schauspielerin am Linzer Landestheater, bekannt durch ORF Serien wie „Blind ermittelt“ oder „Soku Linz“) im Opernspass „Ohrenschmaus im Opernhaus – Tony Makkaroni kocht die schönsten Opernarien“ als „Don Basilikum“ auf der Bühne der Klosterneuburger Babenbergerhalle.

Den barocken Kaiserhof im Stift Klosterneuburg empfindet er seit jeher als etwas ganz Besonderes, sowohl durch die architektonische Stimmigkeit als auch die akustische Situation, die unverstärktes Musizieren erlaubt.

Weitere Informationen unter www.operklosterneuburg.at.