Clemens Kerschbaumer: "Ich singe für mein Leben gern!"

Erstellt am 06. Juli 2022 | 03:57
Lesezeit: 3 Min
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Singt mit Kamile Bontè als Mimi seinen ersten Rodolfo in Puccinis "La Bohème" in Klosterneuburg: Clemens Kerschbaumer.
Foto: Mark Glassner
Tenor Clemens Kerschbaumer singt ab 8. Juli den Rodolfo im Kaiserhof des Stiftes Klosterneuburg. Und sprach vor der Premiere mit Michaela Fleck über Luftschlösser, Rollenfächer und Vogelgezwitscher.
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NÖN: Diesen Samstag feiern Sie in Klosterneuburg Premiere, und zwar mit Puccinis „La Bohème“. Wie wird denn die?

Clemens Kerschbaumer: Es wird toll! Und es wird opulent!

In der Bohème geht’s vor allem um Liebe, aber auch um Armut, Arbeitslosigkeit… Und Happy End gibt’s auch keines. Wie singt man das? Und warum muss man das heute noch singen – und hören?

Abgesehen davon, dass die Musik wunderschön ist, haben gute Geschichten immer mit Themen zu tun, die immer aktuell sind. Und das ist jetzt nicht so lange her, die Menschen haben sich nicht geändert. Liebe, Eifersucht, Krankheit machen ja uns Menschen aus. Und Rodolfo sagt selber, dass er sich reich fühlt, weil er sich Luftschlösser baut…

In Klosterneuburg singen und spielen Sie ja nicht in einem Opernhaus, sondern in einem Stiftshof, und das open Air. Macht es das schwieriger? Und wie schief ist heuer die Bühne?

Für uns ist es natürlich eine Herausforderung, ohne Verstärkung und über große Distanzen. Open Air ist immer eine Herausforderung. Aber es ist toll, im Freien! Wir werden schauen, wer schöner zwitschert – die Vögel oder wir! Auf der Bühne macht alles Sinn, es wird sehr ansprechend – auch ohne gerade Flächen!

Gesungen haben Sie in Klosterneuburg schon einmal, in der „Zauberflöte“. Gesungen haben Sie aber auch in Baden und Blindenmarkt, Shanghai und Caracas. Wie wichtig ist der Ort, für die Musik? Wie wichtig die Regie, fürs Singen?

Und ich war schon als junger Studiosus in Klosterneuburg dabei, 2004 war das, im Chor der „Verkauften Braut“… Natürlich hat man auf großen Bühnen mehr Auslauf, man muss aber auch größer spielen. Im Idealfall hat man einen Regisseur, der die Bedürfnisse der Sänger kennt. Man kann ja auch nicht Geige spielen im Kopfstand! Mit François de Carpentries macht das in Klosterneuburg wirklich Spaß, das hat man nicht so oft!

Grafen haben Sie schon öfter gesungen, komische Rollen auch. Liegen die Ihnen mehr? Und was fehlt da noch?

Ich mach’ gern Komödie, und ich werde auch weiter Operette machen, ich muss ja auch Geld verdienen [lacht]! Der Rodolfo ist für mich ein neues Fach… Und für ganz schwere Wagner-Partien hab’ ich nicht die Stimme. Aber: Ich sing’ für mein Leben gern!

Was kommt als nächstes?

"Der Graf von Luxemburg" in Blindenmarkt, mein fünfter oder sechster Alfred in der "Fledermaus" [Anmerkung: in Baden], und einen Herzog in "Rigoletto" hab' ich auch in Aussicht...

www.operklosterneuburg.at